Die Bierprobe

Ein gutes Bier sollte typgerecht sein und uns zugleich mit seiner Vielschichtigkeit überraschen. Tipps für die Verkostung zu Hause gibt Bier-Sommelière Sylvia Kopp.

Die persönliche Einstellung

Der Genuss von Bier verlangt vor allem eines: Man sollte offen und unvoreingenommen daran gehen, mit Interesse am Bier und etwas Scharfsinn, um Aroma- und Geschmacksnoten ohne Furcht vor Gespött herauszudeuten.

Das Umfeld

Eine entspannte Atmosphäre ist vorteilhaft, denn der erste Eindruck ist oft am prägnantesten. Dieser Moment verlangt Präsenz und Konzentration. Musik oder Lärm können ablenken. Ebenso sind Zigarettenrauch, Küchengerüche und Parfüm zu vermeiden.

Die Auswahl

Drei bis sechs verschiedene Biere reichen aus, um Vielfalt zu erfahren. Mindestens ebenso spannend ist es, Biere einer einzigen Sorte, wie etwa nur Pils oder nur Weizen, zu verkosten. Denn dabei kann man den Nuancenreichtum eines einzigen Stils erkunden und ganz nebenbei seine Geschmacksnerven auf das Erkennen kleiner Unterschiede hin schulen.

Die Menge

Zwei, drei Schlucke reichen aus, um den Charakter eines Bieres zu erkennen. Somit reicht eine 0,5-Liter-Flasche für zwei bis drei Personen.

Das Glas

Die Bierprobe

Ein gutes Bier hat eine schöne Optik

Alle Biere sollten aus dem gleichen Glastyp probiert werden. Ein klarer 0,2-Liter-Kelch mit einer das Aroma begünstigenden Rundung ist ideal. Das Glas bitte nicht ganz voll schenken: ein „Duftkamin“ für das Aroma darf frei bleiben.

Die Temperatur

Zu Vergleichs- und Beurteilungszwecken entfalten sich Aroma- und Geschmacksnoten vom Bier am besten bei einer Trinktemperatur von 12–15 °C. Nehmen Sie die Biere also etwa eine halbe Stunde vor der Bierprobe aus der Kühlung.

Die Reihenfolge

Sie richtet sich nach Geschmacksintensität und Alkoholgehalt. Man arbeitet sich von den leichten zu den schweren Sorten hoch.

Zum Neutralisieren dazwischen

Zu empfehlen ist Weißbrot. Speisen mit Eigengeschmack wie etwa Salzbrezeln, Butter oder Käse vermeiden. Deren Fetthaltigkeit und Geschmack übertönen das Bier. Geschmacksneutrales Wasser – und zwar in großen Mengen – ist am besten.

Kriterien der Verkostung

Aussehen, Aroma (Geruch), Geschmack, Vollmundigkeit, Mundgefühl, Balance, Nachtrunk – alles, was einen prägnanten Eindruck hinterlässt, wird notiert und zusammengefasst. So kommt man zu einem dezidierten Gesamteindruck. Dabei gestaltet sich das Verkosten wie ein Ritual, nach folgender Vorgehensweise:

1. Schauen

Beim Essen und Trinken genießt das Auge mit. Klarheit, Farbe und Schaum sind die Aspekte, die für das Aussehen des Bieres eine Rolle spielen.

2. Riechen

Die Bierprobe

Riechen vor dem Trinken ist wichtig

Rund 80 % des sensorischen Eindrucks wird über den Geruchssinn wahrgenommen. Ein anregendes Aroma (Geruch) ist ungemein genusssteigernd und wesentliches Merkmal eines guten Bieres. Vorsichtiges Schwenken setzt Aromastoffe frei: Schnuppern Sie lange und genau hin, bevor Sie trinken. Denn hat man erstmal einen Schluck genommen, verliert die Wahrnehmung über die Nase an Intensität.

3. Trinken

Eine Verkostung ist kein Oktoberfest! Wer verkostet, darf sich das Bier auf der Zunge zergehen lassen und zwar in kleinen genüsslichen Schlucken. Die Balance von Bittere und Süße spielt bei vielen deutschen Sorten die Hauptrolle. Bei obergärigen Bieren wie Weizen kommt zudem eine dezente Säure ins Spiel. Die Balance sowie die Entwicklung von Antrunk, Haupttrunk und Nachtrunk sind entscheidende sensorische Merkmale.

4. Schlucken

Die Bierprobe

Schmecken: das Schönste an der Bierprobe

Um ein Bier sensorisch zu erfassen, muss der Nachtrunk aufgespürt werden. «Wie klingt das Bier aus?» ist eine entscheidende Frage. Deshalb spucken Biertester nicht, sie schlucken. Will man also den Sinn einer Verkostung wahren, sollte man es mit der Zahl und Menge der Proben nicht übertreiben: Denn Alkohol beeinträchtigt die Sinne!

Text: Sylvia Kopp