Beer World Cup 2010

Vom 5. bis 10. April 2010 findet in Chicago der World Beer Cup statt, das international wichtigste Event seiner Art. 3500 Biere werden vorgestellt, verkostet und in 91 Kategorien bewertet. Bier-Sommelière Sylvia Kopp ist zum zweiten Mal Jurymitglied des internationalen Bierwettbewerbs und berichtet für essen-und-trinken.de im Vorfeld sowie live aus Chicago in unserem Blog. An dieser Stelle erläutert die Bier-Journalistin, was auf dem Beer World Cup, im Herzen der weltweiten Bierkultur, passieren wird.

Ein Wettbewerb für mehr Bier-Vielfalt

Beer World Cup 2010
3500 verschiedene Biere werden beim World Cup verkostet.

Angefangen hat alles 1996. Der erste World Beer Cup (WBC) wurde damals in Vail im Bundesstaat Colorado abgehalten. 600 Biere von 250 Brauereien aus 20 Ländern gingen damals an den Start. Seitdem wird der internationale Contest alle zwei Jahre an wechselnden Orten in den USA ausgetragen. Die Zahl der eingereichten Biere steigert sich von Mal zu Mal.

Vom 5. bis zum 10. April dieses Jahres werden es 3500 Biere sein, gut 500 mehr als 2008, die von einer international besetzten Jury in Chicago getestet und bewertet werden. Charlie Papazian, WBC-Gründer und Präsident des ausrichtenden US-Verbandes «Brewers Association» dazu: „Die steigende Popularität des World Beer Cup reflektiert das wachsende, weltweite Interesse an der Biervielfalt. Er trägt dazu bei, dass Bier an Wert gewinnt. Er steht für den Traum, eine bessere Bierwelt zu schaffen.“

Auch ich darf beim WBC 2010 dabei sein. Zum zweiten Mal bin ich in die Jury berufen. Zusammen mit mehr als 130 internationalen Experten, so viele waren es auch vor zwei Jahren in San Diego, werde ich Biere auf Aussehen, Geruch, Geschmack, Balance, Fehler, Typtreue und Komplexität begutachten und Medaillen vergeben: je eine goldene, eine silberne, eine bronzene pro Kategorie. Das erfordert gute Kenntnisse und ziemlich viel Disziplin und Kondition von uns Biertestern. Von den Organisatoren jedoch verlangt es gigantische logistische Leistungen: Sie müssen über 20.000 Flaschen sachgerecht lagern, transportieren, nummerieren und den Juroren in den entsprechenden Kategorien frisch und richtig temperiert servieren. Hut ab, wenn das wieder so reibungslos klappt wie beim letzten Mal.

USA - Trendsetter der Bier-Szene

Aber der WBC ist weit mehr als das sture und disziplinierte Prüfen von Bieren. Er ist Anziehungspunkt für Bierbegeisterte aus allen Teilen der Erde in der zur Zeit wohl lebendigsten Bierszene der Welt: in den USA. Hier ist in den vergangenen 30 Jahren eine Kultur erblüht, die aus der Hobbybrauerszene erwachsen ist und mittlerweile 1400 Brauereien zählt – von der kleinen Gasthausbrauerei über Micro-Brauereien bis hin zu einigen mittlerweile auf mehrere Millionen Hektoliter angewachsenen Craft-Brewer-Giganten.

Die amerikanischen Braumeister verstehen ihr Handwerk wie Chefs de Cuisine und werden verehrt wie Stars. Sie sind stolz auf ihr Standardsortiment, aber es sind ihre stets neuen Kreationen, über die sie reden und über die sie sich mit Fans und Genießern austauschen wollen. Und so ist es kein Wunder, dass sich um diese Szene herum eine ganze Kultur entwickelt hat. Bierfestivals, Bücher, Zeitschriften, Internetportale, ja sogar ganze Radiosender widmen sich der Braukunst und ihren Akteuren.

Tradition trifft Innovation

Beer World Cup 2010
World Cup Besucher bei der Bier-Degustation.

Die Kreativität dieser Szene spiegelt sich unter anderem auch in den WBC-Stil-Kategorien wieder. Es sind längst nicht mehr nur Klassiker wie böhmisches Pils, deutsches Weizen, belgisches Tripel und irisches Stout, die zur Bewertung stehen, sondern auch innovative Sorten wie Biere aus dem Fassausbau oder mit Gewürzen wie etwa Chili oder Wasabi sowie Experimentelles wie Austern-Stout. Tradition trifft Innovation.

Die bisweilen revolutionär anmutende Dynamik der US-Craft Brewers hat dabei längst auch Brauer in einigen Ländern der alten Welt erfasst wie etwa in Dänemark, Italien, Belgien und England. Ebenso in Asien und Südamerika. So sind denn auch die traditionellen Sorten nicht mehr auf ihr Ursprungsland beschränkt. Bock kommt ebenso aus Brasilien wie aus Deutschland, Altbier aus USA, Belgisches Saison aus Japan. Der internationale Biermarkt hat sich wahrlich verändert – der Kreativität sind eben keine Grenzen gesetzt. Der World Beer Cup ist dafür ein guter Indikator – er ist das Herz der Weltbierkultur. Ich bin gespannt, was ich in Chicago Neues erfahren, erleben und schmecken darf.

Text: Sylvia Kopp