Fair gehandelt: Kaffee, Kakao und Tee

Fair Trade und ökologischer Anbau von Kaffee, Kakao und Tee werden immer populärer. Tee- und Kaffeeanbieter kommen der erhöhten Nachfrage der Konsumenten nach mehr Transparenz bei den ökologischen Rahmen- und Produktionsbedingungen nach und bieten zunehmend fair gehandelte Produkte an.

Soziale Standards im fairen Handel

Der Begriff der Nachhaltigkeit ist in aller Munde, weltweit hat ein ökologisches Bewusstsein eingesetzt, das sich auf alle Bereiche des täglichen Konsums ausweitet und sich in den Industriestaaten teilweise als Lebensstil ausdrückt.

Ein wichtiger Aspekt der Nachhaltigkeit ist der Faire Handel, der soziale und ökologische Standards bei Anbau, Produktion und Vertrieb von Tee, Kaffee, Kakao, Früchten und weiteren Exportprodukten garantieren will. Der Hauptansatz des fairen Handels liegt in der Unterstützung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbauern, vorwiegend in Asien, Lateinamerika und Afrika. Um ihnen die Produktion ihrer Güter zu sozial vertretbaren Konditionen zu ermöglichen, wird ein stabiler Mindestpreis festgesetzt, der über dem Marktpreis liegt, und eine Fair Trade-Prämie gezahlt. Die stabilen Einkommen sichern langfristige Handelsabkommen, soziale Projekte wie der Bau von Schulen, Brunnen oder die Umstellung auf biologischen Anbau werden ermöglicht.

Fair gehandelt: Kaffee, Kakao und Tee
Teepflückerinnen in Samabeong in Indien, GEPA-Handelspartner

Fair Trade bedeutet die Einhaltung ökonomischer, sozialer und ökologischer Standards und Richtlinien, wie das Verbot von Kinderarbeit oder Zwangsarbeit, die Förderung umweltschonender Anbauarten oder die Umstellung auf Bioproduktion sowie die Finanzierung langfristiger Handelsbeziehungen und ökonomische Beratungen von Plantangenkooperativen und Zusammenschlüssen von Kleinbauern. Festgelegt werden die Standards des Fairen Handels durch die FLO (Fairtrade Labelling Organizations International), dem Dachverband unabhängiger Fairhandels-Organisationen.

Die Anfänge des Fair Trade: Handeln statt Helfen

MMitte der 40er Jahre beginnen christliche Organisationen wie die bis heute tätigen Ten Thousand Villages (ehemals Mennonite Central Commitee Self Help Crafts), ärmere Gemeinden in Puerto Rico durch den Verkauf ihrer Handwerksprodukte zu unterstützen.

Erste Fair Trade-Organisationen, wie die von der britischen Entwicklungsorganisation Oxfam gegründete ATO (Alternative Trading Organisation), die Handwerksprodukte chinesischer Flüchtlinge verkauft, enstehen in den 60er Jahren in Europa. Der Ansatz der Organisationen richtet sich damals noch in erster Linie gegen das kapitalistische Wirtschaftssystem und fordert beispielsweise an die Herstellung gekoppelte Preise und einen freien Zugang zu den Handelsmärkten - insbesondere für die so genannten Entwicklungsländer. "Trade not aid" wird zum erklärten Ziel der Welthandels- und Entwicklungskonferenz formuliert: Es gilt, faire Handelsbeziehungen zwischen Entwicklungsländern und Industriestaaten zu etablieren und zu festigen. Erste "Dritte Welt Läden", die vor allem Handwerksarbeiten aus der Dritten Welt anbieten, eröffnen in den Niederlanden und Westeuropa.

1973 importiert die niederländische Stiftung S.O.S. Wereldhandel den ersten fair produzierten Kaffee aus Guatemala; immer mehr Weltläden beginnen, auf Lebensmittel umzusteigen und 1984 schließen sich zahlreiche alternative Organisationen zur EFTA (European Fair Trade Association) zusammen, um fair gehandelte Produkte anzubieten. Eine weitere wichtige Fair Trade-Organisation ist die GEPA, die sich in den 70ern aus einer ökomenischen Bewegung zu einem Import- und Großhandelsunternehmen für faire Produkte entwickelte und diese in Bio- und Weltläden, online-Shops und Supermärkten vertreibt.

Raus aus der Nische

Fair gehandelt: Kaffee, Kakao und Tee
Fair Trade-Kaffeebauer aus Peru

Seit 1992 sind Produkte aus fairen Handel in Deutschland und Österreich anhand der Kennzeichnung mit dem Fair Trade-Siegel zu erkennen, das von TransFair - Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der "Dritten Welt" e.V. vergeben wird. In der Schweiz kennzeichnet die MaxHavelaar Stiftung fair gehandelte Produkte, international vergibt die FLO, der Dachverband der Fair Trade-Siegel-Initiativen und der Produzenten-Netzwerke das Fair Trade Siegel. Dieses Siegel garantiert Transparenz bezüglich Anbau und Produktionswege. Produkte, die in Weltläden angeboten werden, kommen oft ohne Fair Trade Siegel aus, da hier die Produktionswege selbständig kontrolliert und finanziert werden, wie beispielsweise bei Produkten von CONTIGO .

Bio-Trend im Fairen Handel: Tee und Kaffee

Fair gehandelt: Kaffee, Kakao und Tee
Kaffeebohnen

Ökologische Mindestanforderungen, wie das Verbot bestimmter Pestizide und gentechnisch veränderter Pflanzen, der Schutz der natürlichen Vegetation, Abfallentsorgung, Recycling und effizienter Energieverbrauch gehören zu den Fairtrade-Standards. Doch Fair Trade bedeutet nicht automatisch biologischer Anbau. Die durch die FLO vergebenen Standards gestatten eingeschränkt den Einsatz gewisser Chemikalien und Pestizide unter besonderen Bedingungen.

Doch immer mehr Anbaugebiete für Tee, Kaffee, Früchte und Baumwolle stellen auf biologischen Anbau um. So werden inzwischen mehr als 70% des fair gehandelten Tees bereits ökologisch hergestellt, d.h. ohne Verwendung von künstlichen Pestiziden oder Düngungsmitteln und unter Berücksichtigung des Erhalts natürlicher Ressourcen und Lebenswelten des Anbaugebietes.

Teeproduzenten befinden sich hier in einer günstigeren Lage als Kaffeebauern, da Tee als Endprodukt ausgeführt wird und das Anbaugebiet auch für Qualität und Geschmack des Tee steht.

Kaffee hingegen ist ein Rohprodukt, das erst später durch verschiedene Röstungen und Mischungen seinen Geschmack und seine Qualität erhält.

Der Vertrieb fair gehandelter Produkte wird auch hier immer umfangreicher, so stieg 2009 der Verkauf im Vergleich zum Vorjahr um 21%, der Verbraucher findet Fairtrade Produkte nicht mehr nur in Weltläden und Biogeschäften sondern auch in Supermärkten und Discountern.