Kochen – das sinnliche Erlebnis

Normalerweise erledigen viele das Kochen so nebenbei. Für einige ist es sogar eine mehr oder weniger lästige Pflicht. Dabei kann Kochen ein Erlebnis sein, das alle Sinne anregt und den Alltagstrott unterbricht – selbst wenn man wenig Zeit hat.

Kochen als Minimeditation

Freunde am Esstisch
In netter Gesellschaft macht Essen besonders viel Spaß

Sie brauchen weder ein ausgefallenes Rezept noch exotische Zutaten. Nur ein bisschen Aufmerksamkeit und Konzentration auf das, was Sie tun. Und schon haben Sie nicht nur ein köstliches Gericht gezaubert, sondern sich nebenbei auch noch entspannt. Auch wenn uns das oft nicht bewusst ist, zum Kochen brauchen wir alle Sinne. Sehen, riechen, tasten, hören und natürlich schmecken. Der Trick dabei ist, je mehr wir alle Sinne in unseren Alltag einbeziehen, umso mehr entlasten wir unser Denkzentrum. Das ist ein bisschen so wie meditieren. Es beginnt beim Auswählen der Zutaten. Welches Obst oder Gemüse lacht mich an? Auf welche Farben habe ich gerade Lust? Die Nase schaltet sich dazu und entscheidet, welcher Geruch Appetit macht. Das kann je nach Tagesform ganz unterschiedlich sein. Sie kennen das, manchmal lässt einem der Duft von Gegrilltem das Wasser im Mund zusammenlaufen und man möchte unbedingt Fleisch zubereiten. Oder Ihnen kommt Großmutters Apfelkuchen in den Sinn und Sie entscheiden sich zu backen.

Fühlt sich gut an!

Auch der Tastsinn ist beim Kochen unentbehrlich. Manche Spitzenköche sagen von sich, sie seien totale Haptiker. Sobald sie ein Lebensmittel berührten, würden sie sofort glücklich… Versuchen Sie mal, zu ertasten, welche Form und Struktur unterschiedliche Lebensmittel haben. Wie fühlt sich das für Sie an? Woran erinnert Sie das? Manche Produkte wecken erotische Assoziationen, denken Sie zum Beispiel an Austern. Andere erinnern an Stoff, wie zum Beispiel die samtige Oberfläche von Pfirsichen. Oder kneten Sie Teig einmal ganz bewusst. Zwar sehen Sie, welche Struktur er annimmt, aber versuchen Sie mal zu erfühlen, wann er gut durchgeknetet ist.

Oh, wie das duftet!

Kochen – das sinnliche Erlebnis
Pfeffer, Knobi oder Chilischoten bringen den Extra-Kick ans Essen

Es kann nach Knoblauch und frisch gehackten Kräutern riechen oder nach gebräunter Butter, nach Himbeermarmelade oder Bratfisch. Versuchen sie die Gerüche bewusst wahrzunehmen. Intuitiv machen Sie das sicher schon, denn oft merkt man an der Intensität des Duftes einer Speise, ob sie gar ist oder kurz vorm Verbrutzeln. Doch allein der kleine Augenblick, indem Sie den Geruch auf sich wirken lassen, entfernen Sie sich ein Stück vom Alltagstrott. Was Sie wahrnehmen gehört nur Ihnen!

Was brutzelt denn da?

Geübte Köche erkennen am Geräusch des Gerichts, das sie gerade zubereiten, wie weit es durchgegart ist. Das erfordert natürlich einige Erfahrung… ist aber sehr nützlich, weil man sich dadurch den Küchenwecker sparen kann. Aber man muss ganz bei der Sache sein. Einfacher Anfang: Hören Sie mal wie es klingt, wenn Reis in genügend Wasser kocht, und wie es sich anhört, wenn alles Wasser aus dem Topf verdampft ist und sie schleunigst etwas nachgießen müssen, bevor der Reis anbrennt. Wenn Ihnen das zu kompliziert ist, können Sie sich beim Kochen auch, statt sich mit den neuesten Schreckensmeldungen aus dem Radio berieseln zu lassen, Musik anstellen, die zu der Speise passt, die Sie gerade kochen. Schon haben Sie sich ein bisschen Urlaubsfeeling in die Küche geholt.

Hm, lecker!

Kochen – das sinnliche Erlebnis
Probieren Sie ihr Essen schon beim Zubereiten

Kosten Sie so oft sie wollen. Und schmecken Sie den Unterschied, zwischen roh und gekocht, gebraten oder gebacken. Da gibt es himmelweite Unterschiede. Vielleicht entdecken Sie ja dabei neue Rohkost-Favoriten. Oder kombinieren Sie mal ungewöhnliche Gewürze miteinander. Schmecken ist übrigens ein bisschen wie Fühlen im Mund. Auch da können Sie interessante Entdeckungen machen. Bekanntestes Beispiel sind Kartoffeln. Die sind roh ziemlich fest und saftig, gekocht aber fühlen sie weich und je nach Sorte mehlig an.

Nur in Kombination

Man kann natürlich die Aufmerksamkeit auf einen speziellen Sinn richten. Aber im Grunde sind unsere fünf Sinne nicht voneinander zu trennen. Sie ergänzen sich gegenseitig. Interessant in diesem Zusammenhang ist: Neue Züchtungen oder sehr alte Sorten von Obst und Gemüse haben manchmal eine andere Farbe als wir es heute gewohnt sind. Zum Beispiel gibt es dunkellila Kartoffeln oder grüne, durchaus reife, Tomaten. Wenn wir die gesehen haben, bevor wir davon kosten, kann es erst mal schwer fallen, den typischen Kartoffel- oder Tomatengeschmack zu identifizieren.