Gesund genießen will gelernt sein

In der heutigen Zeit essen wir meist im Stehen, beim Gehen, vor dem Fernseher, in der Bahn oder im Auto. Wir konzentrieren uns auf viele Dinge, aber selten auf das Essen. Dabei bleibt der Genuss auf der Strecke und wir essen unbewusst und nebenher. Aber was bedeutet mit Genuss zu essen?
Einkaufen auf dem Wochenmarkt

Ein Spaziergang über dem Wochenmarkt regt alle Sinne an.

Über unsere fünf Sinne, wie das Riechen, das Schmecken, das Hören, das Sehen und das Fühlen, nehmen wir unser Essen und Trinken auf vielfältige Weise wahr. Wir schmecken die Süße im Kuchen, riechen das Aroma der frischen Kräuter, sehen das knallige Rot einer Erdbeere, Hören das Knacken bei dem Biss in einen Keks und fühlen auf der Zunge die cremige Schlagsahne. Dadurch entstehen der Appetit und die Lust am Essen. Ohne diese Reize auf unsere Sinne hätten wir keinen Spaß an einem knackigen bunten Salat oder würden für die Gäste den Tisch nicht dekorativ decken. Kartoffelchips schmecken besser, wenn Sie knackig sind und beim Abbeißen knuspern. Auch das Wasser läuft uns im Mund zusammen, wenn wir am Morgen den Geruch von frischen Brötchen riechen und den Duft von frisch gemahlenen Kaffee wahrnehmen. Ohne Gewürze und Kräuter würden unsere Speisen lasch und einseitig ohne Pepp schmecken.

Genussvoll essen bringt uns ein positives Gefühl, dass der Seele gut tut und uns zufrieden stimmt. Mit etwas Training können Sie Ihre Sinne schulen und bewusst das Genießen selber steuern. Schlendern Sie über den Wochenmarkt und riechen Sie am Gemüse- und Obststand, lassen Sie Ihre Nase am Blumenstand die verschiedene Blütendüfte erleben. Kochen Sie mit frischen Zutaten, verwenden Sie aromatische Gewürze und Kräuter. Essen Sie langsam, bewusst und ohne Ablenkung.

Wie läßt sich Genießen erlernen?

Uhr

Zeit ist ein wichtiger Faktor für das Genießen.

Der Psychologe und Genussforscher Dr. Rainer Lutz der Philipps-Universität Marburg, zeigt mit einfachen Möglichkeiten, wie das alltägliche Essen mit dem Genuss verbunden werden kann.

Seine sieben Möglickeiten sind gute Tipps für Ihren Genuss:

  1. Genuss braucht Zeit: Nehmen Sie sich Zeit zum Genießen, denn Stress und Hektik ist schlecht für jeden Genuss.
  2. Genuss und Genießen muss erlaubt sein: Verbote bringen nichts - erlauben Sie sich alles und genißenen Sie es.
  3. Genuss geht nicht nebenbei: Die Konzentration auf den Genuss bringt das Erleben, wer nebenbei isst hat nichts vom Geschmack
  4. Weniger ist mehr: Essen Sie nicht tägliche Ihre Lieblingsspeisen, denn dann ist nicht mehr etwas Besonderes.
  5. Wissen, was einem gut tut: Wenn Sie genau wissen was Ihnen bekommt, dann können dies ganz bewusst genießen.
  6. Ohne Erfahrung kein Genuss: Trainieren und Schulen Sie Ihre Sinne - so lernen Sie neues kennen und verteifen das was Sie erleben.
  7. Genuss ist alltäglich: Genuss ist nicht nur an Festtagen erlaubt - Genuss sollte ein Bestandteil Ihres Alltags sein.

Schokoladenübung (zitiert nach Hassel)

Schokolade

Kommen Sie mit dunkler Schokolade auf Ihre Kosten.

Mit Genuss schmeckt das Essen nochmal so gut. Probieren Sie es aus und genießen Sie mit der Schokoladenübung, entwickelt von Dr. Holger Hassel vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmediezin (BIPS), ein Stück Schokolade mit allen Sinnen. Diese Übung hilft, gehaltvollere Lebensmittel in kleinen Mengen zu genießen und das ohne schlechtes Gewissen.

Vor Ihnen liegt ein Stück Ihrer Lieblingsschokolade. Sie sitzen bequem auf einem Stuhl und lassen die Augen auf einem Punkt am Boden ruhen. Auf die Geräusche im Raum hören (bis 20 Zählen)! Zweimal tief durchatmen (bis 20 Zählen) und die Augen schließen! Träumen Sie vor sich hin! Sie sind auf der Schokoladeninsel. Sehen Sie sich alles genau an! Alles ist hier aus Schokolade und Sie dürfen alles essen, aber nur ganz langsam. Nehmen Sie das Stück Schokolade in die Hand! Riechen (bis 30 Zählen) Sie daran! Wie riecht Sie? Lecken (bis 30 Zählen) Sie an ihr! Wie schmeckt sie? Legen Sie es jetzt unter Ihre Zunge (bis 20 Zählen)! Schieben Sie das Stück in die linke Wange (bis 20 Zählen) und dann in die rechte (bis 20 Zählen)! Den Rest der Schokolade in Ruhe schmelzen lassen (bis 30 Zählen)! Zum Schluss gehen Sie mit der Zunge dem Weg des Stückchens nochmals nach und überlegen wo es am besten geschmeckt hatte (bis 30 Zählen). Nun sind Sie am Ende der Reise. Kommen Sie Schritt für Schritt zurück! Langsam aufwachen, strecken Sie sich. Lassen Sie sich Zeit.

Wetten, dass die Geschmackspapiellen schon innerhalb der Schokoladenübung voll auf ihre Kosten gekommen sind. Und das bei nur einem Stück!