Die Eliteklasse der Jeunes Restaurateurs

Am Puls der Zeit sein. Trends aufspüren. Spitzenqualität liefern. All das muss ein Koch können, um in der sich ständig verändernden Welt der Top-Gastronomie bestehen zu können. Der Grundstein für eine Karriere im Dunstkreis von Sternen, Hauben und Auszeichnungen wird in der Ausbildung gelegt. Die Jeunes Restaurateures in Deutschland haben dafür eine eigene Eliteklasse ins Leben gerufen, in der ihre Azubis lernen. Sie ist die einzige ihrer Art für Ausbildungsberufe in Deutschland.
Die Eliteklasse der Jeunes Restaurateurs
Alexander Tschebull (links) und Lehrling Thomas Steffens.

Thomas Steffens hat früher Maschinenbau studiert und ist jetzt Lehrling im ersten Ausbildungsjahr bei Alexander Tschebull in Hamburg. Die berufliche Veränderung ist groß und die Ziele sind hoch: Steffens will Spitzenkoch werden. Der Vorschlag, die Eliteklasse der Jeunes Restaurateures zu besuchen, kam vom Lehrherren. „Ich selbst hätte mir so eine Ausbildung gewünscht“, sagt Alexander Tschebull, der sein gleichnamiges Restaurant seit 2009 im Hamburger Levantehaus führt. Als Mitglied der Jeunes Restaurateurs und erfahrener Gastronom weiß er, wie „extrem wichtig“ auch das Netzwerk in der Branche ist. Die Azubis in der Eliteklasse merkten das schneller, sie würden sich erfahrungsgemäß untereinander helfen und die Bekanntschaften hielten über die Lehrzeit hinaus.

Unternehmensführung auf dem Lehrplan

Die Eliteklasse übernimmt den überbetrieblichen Teil der Kochausbildung, der sonst einfach Berufsschule heißt. Mehr im Stil einer Privatschule vermitteln die Lehrer am Standort des Gastronomischen Bildungszentrums Koblenz praktische und theoretische Kenntnisse, die über das übliche Maß hinausgehen. Auf dem Plan der Eliteschüler stehen unter anderem eine zweite Fremdsprache, Datenverarbeitung und Unternehmensführung. Trotz der intensiveren Ausbildung ist die Eliteklasse wie andere Klassen an die IHK angegliedert, die Auszubildenden schließen mit der Berufsbezeichnung Koch ihre dreijährige Lehrzeit ab.

Herzblut gefordert

Neid zwischen den Schülern komme trotz der Unterschiede an der Berufsschule nicht auf, sagt Lehrling Thomas Steffens. Ungeachtet des hochtrabenden Namens seien sie schließlich Lernende. Und sein Chef fügt hinzu: „Wir sehen die Leute dort nicht als Elite. Elite zu sein ist das Ziel!“ Und dafür brauche es neben der guten Ausbildung auch viel persönliches Engagement. Die Arbeit in einem Spitzenbetrieb der Jeunes Restaurateurs sei auch anstrengender als andernorts, weil den Lehrlingen viel abverlangt würde. „Wir brauchen Leute mit Enthusiasmus, mit Herzblut.“ Dass die Lehrzeit anstrengend ist, kann Thomas Steffens bestätigen. Aber, natürlich, „es macht auch viel Spaß.“

Dauerhafte Vorteile

Die Vorzüge der Eliteklasse bleiben den Schülern über die Lehrzeit hinaus erhalten. Der gute Zusammenhalt und die gegenseitige Hilfe sollen auch nach der Schule beibehalten werden. Als Gastronomenvereinigung ist den Jeunes Restaurateurs daran gelegen, auch ihren Nachwuchs optimal untereinander zu vernetzen. „Früher war das schwieriger für uns“, erinnert sich Alexander Tschebull. Heute ist es Usus, dass die ausgelernten Köche in den Küchen anderer JR-Mitglieder Anstellungen finden. So wird der fachliche Austausch gefördert und die praktische Erfahrung wächst. Thomas Steffens hat noch einen weiten Weg vor sich, bis er selbst als „Spitzenkoch“ hinterm Herd steht. Und dann? „Ein eigener Laden ist natürlich schon ein Ziel“, sagt der Azubi, „irgendwann mal...“.