Belgische Spezialitäten: Bier

Was wäre Belgien ohne seine lange Biertradition und seine vielen kreativen unabhängigen Brasserien? Entdecken Sie die Vielfalt der Sorten und wie sie gebraut werden!

Kleine Geschichte des belgischen Biers

Belgische Spezialitäten: Bier
Alte Brauanlage

Ähnlich wie auch bei uns, waren es auch in Belgien Klöster, die als erste das Bierbrauen beherrschten. Diese Kunst wurde besonders von Mönchen der Trappistenklöster über Jahrhunderte perfektioniert. Das Gründungsjahr der ersten belgischen Biergilde in Brügge war 1308. Über einen langen Zeitraum blieb die Braukunst sich treu - erst vor eher kurzer Zeit, nämlich 1919, brachte ein Gesetz neues Leben in die Brasserien. Das Vanderfelde-Gesetz verbot es nämlich, Spirituosen in Kneipen und Bars auszuschenken. Das wiederum erhöhte sehr schnell die Nachfrage nach Bier und neuen Biersorten - und nach Bier mit einem höheren Alkoholgehalt. Letztendlich hatte dieses Gesetz sein Gutes - heute verfügt Belgien über eine unglaubliche Sortenvielfalt und Brasserienlandschaft.

Sorten und Spezialitäten...

Belgische Spezialitäten: Bier
Belgisches Bier kommt aus dem Zapfhahn in eins der vielen verschiedenen Gläser

...davon gibt es so viele, dass sie kaum alle hier aufgeführt werden können. Grob lassen sie sich jedoch in untergärig, obergärig und spontangärend unterteilen. Die alten Klosterbrauerein legen sehr viel Wert auf ihre jahrhundertelang erprobte Braukunst und brauen noch heute traditionelle Biere. Neuere Marken wie Stella Artois oder Leffe sind weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. In den letzten Jahren hat sich aber auch der Craft-Beer-Trend in Belgien ausgebreitet. Meist junge und unabhängige Braukünstler an schaffen neue, in der Regel ausschließlich handwerklich hergestellte Bieren. Und das sorgt für noch mehr leckere Vielfalt!

Untergärige Biere

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Gezapftes belgisches Pils

Die untergärige Fermentation ist ein vergleichsweise modernes Verfahren. Nach der Fermentation sinkt die zugegebene Hefe nach unten. Die Optimaltemperatur liegt hier zwischen 4° und 9°. Dabei bilden sich weniger schädliche Mikroorganismen und das Bier ist relativ lange haltbar. In Belgien gibt es nur drei verschiedene untergärige Sorten.

Bière de table/ Tafelbier: Ein Bier mit einem sehr geringen Alkoholgehalt von 1,5-3,9 %, das ähnlich einem Tafelwein, gut zum Essen getrunken werden kann, z.B. Piedboeuf.

Pils: Helles, charakteristisch goldenes Bier mit einem Alkoholgehalt von ca. 5 %. Die bekanntesten belgischen Pils-Sorten sind Stella Artois und Jupiler.

Bière brut: Beweis der belgischen Bier-Experimentierfreude. Hier wird Bier nach traditionellem Champagner-Gär-Verfahren hergestellt. Das gebraute Bier wird in Flaschen gefüllt, mit spezieller Hefe versetzt und gelagert. Dabei entwickeln sich die speziellen Aromen der Biere. Sorten: Malheur und Deus.

Obergärige Biere

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Dunkles Abteibier aus typischer Flasche

Die große Mehrheit der belgischen Biere wird obergärig gebraut. Diese Form des Brauens ist schon länger bekannt, da sie zur Fermentation Temperaturen von 15° bis 20° benötigt - und das war auch schon ohne Kühlanlagen möglich. Obergärig heißt es, weil die Hefe beim Brauen oben schwimmt.

Abteibier: Wie der Name verrät, werden diese Biere in Abteien oder nach alten Abteirezepten gebraut. Darunter finden sich helle, dunkle, bensteinfarbene, fruchtige und würzige Biere mit Alkoholgehalten von 6-10 %. Leffe und Grimbergen sind hier zwei bekannte Marken.

Weissbier: Belgisches Weissbier hat mit bayerischem Weissbier nichts zu tun! So ist in belgischem Weissbier auch Gerste und ein kleiner Teil Hafer oder Buchweizen enthalten. Es kommt hauptsächlich aus Flandern, bei uns auch bekannt ist beispielsweise Hoegaarden.

Spezialbier: Belgisches Spezialbier ist bernsteinfarben und hat einen Alkoholgehalt um die 5 %. Der Geschmack ist etwas komplexer und malziger als der eines Pils. Eine der größten unabhängigen Brauereien, die Spezialbier herstellt, ist die Brauerei Palm.

Saison-Bier: Saison-Bier wird in den Wintermonaten gebraut, damit es im Sommer getrunken werden kann. Das Bier ist fast orange und hat einen erhöhten Alkoholgehalt.

Trappistenbier: Dieses Klosterbier darf in der Tat nur von Trappistenmönchen oder unter ihrer Kontrolle gebraut werden. Die Erlöse aus dem Verkauf des Biers sollen nur die Kosten der Herstellung decken - der Rest wird für wohltätige Zwecke gespendet. Auch hier gibt es helle und dunkle Biere mit Alkoholgehalten bis 12 %. Echte Trappistenbiere tragen den Aufdruck Authentic trappist product.

Altes Braunes: Ein Ale mit einer dunkelbraunen bis roten Farbe und einem malzig-süßem Geschmack, zum Beispiel Liefmans und Zulte.

Spontan oder gemischt vergoren

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Schöne Farbe: Rotbier

Eine eher seltene Brauart: Nach der obergärigen Fermentation schließt sich eine 18 monatige Fermentation im Eichenfass an. Danach wird das süße junge Bier mit dem älteren säuerlichen Bier gemischt. Heraus kommt dabei das etwas säuerliche Rotbier. Die dunkelrote Farbe entsteht durch die Nutzung von karamellisiertem Malz. Manchmal wird das Bier noch mit Kirschen vergoren, wie beispielsweise Kriek.