"Keine Weltanschauung kaufen"

In unserer Interviewreihe beantworten verschiedene Interessenvertreter aus dem Ernährungsbereich Fragen zum Thema Nachhaltigkeit. Diesmal: Jochen Voigt, Landwirt mit eigenem Bioland-Hof in Syke bei Bremen. Auf dem Biohof Voigt gibt es neben einem Hofladen ein Hofrestaurant, in dem die eigenen Produkte verarbeitet werden.
"Keine Weltanschauung kaufen"
Bio-Landwirt Jochen Voigt.

Warum produzieren Sie Bio-Produkte?

Das Natürliche und der Kreislaufgedanke gefallen mir daran. Und es schmeckt mir auch! Wir sind ein kleiner Gemüsebauerbetrieb mit Direktvermarktung, da ist es ohne „Bio“ eigentlich gar nicht möglich. Unser Hof besteht sei 20 Jahren und wir haben noch nie anders gewirtschaftet als biologisch.

Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Als Landwirt bedeutet das für mich, unsere Flächen in gutem Zustand weiterzugeben an die nächste Generation, also gesunde Wälder, Äcker und Wiesen zu erhalten. Wenn wir dann noch schuldenfrei sind, bekommt das auch noch einen wirtschaftlichen Aspekt.

Welche Vertriebswege nutzen Sie?

Unser Hof liegt vor den Toren Bremens und wir haben nur private Kunden. Die kommen in den Hofladen, unser Hofrestaurant und auf den Wochenmarkt oder sie bestellen unsere Gemüse-Abokisten.

Profitieren Sie vom Bio-, Gesundheits- und Nachhaltigkeits-Trend der vergangenen Jahre?

Wir haben zumindest unsere Umsätze immer gesteigert. Die Hemmschwelle der Kunden ist gesunken – die Leute wissen einfach mittlerweile, dass sie bei uns keine Weltanschauung mitkaufen müssen.

Was erwarten Sie von der Politik und von Verbrauchern? Was kann der Einzelne tun?

Die Menschen müssen mit ihrer Kaufentscheidung ihre eigenen Interessen wahren - zum Beispiel gesunde Lebensmittel zu erwerben. An die Politik geht von meiner Seite aus die Forderung, die Industrie nicht mehr so unsinnig zu fördern. Es muss eine Fördergerechtigkeit geben. Damit meine ich nicht, dass ich mehr bekommen soll, sondern dass die Entscheidung, was gerecht ist, als gesellschaftlicher Prozess stattfinden soll.

Wie sehen Sie als Landwirt die Zukunft der deutschen Landwirtschaft?

In puncto Höfesterben wird es noch mehr zur Sache gehen. Früher wurden frei gewordene Flächen von lokalen Bauern übernommen. Jetzt kommen sehr große auswärtige Investoren und kaufen die Flächen auf. Das ist eine wirklich dramatische Situation und durchaus neu bei uns. Ich denke, in Zukunft gibt es entweder sehr große agrarindustrielle Firmen oder Nischenanbieter wie uns.

Zurück zur schöneren Seite der Thematik: Essen soll ja bestenfalls genussvoll sein. Was bedeutet für Sie Genuss?

Das heißt, dass ich immer leckeres Essen habe. Wir leben ja in einer Art Paradies und haben immer frische Produkte zur Verfügung. In unserem hofeigenen Restaurant versuchen wir, Genuss, gemeinsames Feiern und Spaß in den Mittelpunkt zu stellen.

Und zum Schluss bitte einen Tipp: Was muss man von Ihrem Hof probiert haben?

Der Renner sind die Vorspeisen- und Salatbuffets in unsrem Hofrestaurant. Die Gerichte sind vielseitig und natürlich aus eigenem Gemüse. Wenn viel los ist, ernten wir teilweise noch etwas nach, während die Gäste schon essen.

Vielen Dank, Herr Voigt.