Appetit kommt aus dem Gehirn

Ob Appetit, kleiner Hunger oder Jieper, täglich kämpfen wir mit der Lust auf die kleinen und großen Sünden aus der Küche. Dabei soll uns der Appetit sagen, welche Nährstoffe unser Körper gerade besonders nötig hat.

Eine Studie mit Fliegen, durchgeführt am Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie in Wien unter der Leitung von Carlos Ribeiro und Barry Dickson, zeigt, dass wir tatsächlich genau darauf Lust haben sollten, was der Körper gerade benötigt. Die Forscher untersuchten anhand eingefärbter Nahrung, wann welche Fliege was zu sich nahm. Das Ergebnis: Das Fressverhalten stand in engem Zusammenhang mit dem aktuellen Nährstoffverhältnis im Körper, außerdem mit dem Geschlecht und dem Paarungszustand der Fliegen. Hatten Fliegen nach einigen Tagen eiweißarmer Nahrung die Wahl zwischen Zucker und Protein, so wählten sie das eiweißreiche Futter. Nach längeren Beobachtungen zeigte sich, dass Weibchen ihre Vorlieben öfter ändern als Männchen und befruchtete Weibchen öfter als jungfräuliche.

Aus diesen ersten Beobachtungen kam das Forscherteam zu der Erkenntnis, dass es im Köper der Fliegen eine Art Sensor gibt, der beispielsweise den Eiweißgehalt im Körper misst. Gegebenenfalls gibt dieser Sensor ein Signal ans Gehirn – und die Fliege bekommt Appetit auf Eiweiß. Laut Barry Dickson lässt sich diese Erkenntnis auch praktisch anwenden. Kann man beispielsweise den Sensor der Malaria-Fliege identifizieren, der ihr Appetit auf Blut macht, könnte man diesen ausschalten. Dies wäre ein entscheidender Schritt im Kampf gegen Malaria. Auch bei der Bekämpfung der so genannten Zivilisationskrankheiten könnte die Identifizierung der Sensoren von großer Hilfe sein, wenn man beispielsweise den Sensor für Fett im menschlichen Körper beeinflussen könnte.