Der Palmölkrieg

In Kolumbiens Regenwäldern spielt sich eine Tragödie ab: Um Platz für den Anbau von Palmölplantagen zu haben, werden in der Provinz Chocó Zehntausende von Kleinbauern vertrieben und massakriert. Christliche Missionare versuchen die Bedrohten zu schützen, jedoch mit mäßigem Erfolg.
Der Palmölkrieg
In der Palmölplantage

Pater Josef Schönenberger stammt aus dem ostschweizerischen Toggenburg, doch Kolumbien ist längst seine zweite Heimat geworden. 20 Jahre lang war er im Süden des Landes tätig, seit 2006 steht er in der Provinz Chocó im Einsatz. Wo früher Urwald stand, breiten sich heute Ölpalmplantagen aus, die zunehmend von internationalen Unternehmen und Finanzgesellschaften aufgekauft werden. Das Palmöl wird nach Europa und in die USA ausgeführt, dort weiterverarbeitet zu Agrosprit, aber auch zu Produkten der Nahrungsmittelindustrie oder zur Herstellung von Seifen, Kosmetika und Farbstoffen. Was sich heute in Chocó abspielt, dürfte sich in absehbarer Zukunft auch andernorts wiederholen: in der Karibik und im Amazonasgebiet, in Nigeria, Kamerun und auch in Südostasien. Denn je knapper Erdöl wird, umso mehr und radikaler wird die Produktion von Agroenergie vorangetrieben. Zur Gewinnung von Anbauflächen wird mit unbeschreiblicher Grausamkeit vorgegangen: mit Lynchmorden, Massakern, Folter und Entführungen. Auf den Terror folgen die Bulldozer. Das Einzige, was die Paramilitärs und Guerillas in der Provinz Chocó abschrecken kann, sind neutrale Zeugen und internationale Publizität. Aber dieser Schutz wirkt nicht immer. Beobachter wie Pater Schönenberger leben gefährlich. In den letzten Jahren wurden in Chocó fünf Missionare ermordet.

"Der Palmölkrieg" am Donnerstag, 3. Juni 2010, 11:20 auf 3sat.