Was ist Gentechnik?

Erst im Sommer wurde der Anbau der mit Gentechnik veränderten Kartoffel Amflora genehmigt. Amflora ist noch keine Speisekartoffel, aber gentechnisch veränderte Speisepflanzen sind schon in Planung. In Amerika wird aktuell gar darüber debattiert, ob gentechnisch verändertet Lachs zugelassen werden soll.

Was bedeutet Gentechnik?

Gentechnik ist eine Richtung der Biotechnologie. Grundlage von Gentechnik sind die Gene, welche die Erbinformationen eines Lebewesens tragen. In jeder einzelnen Zelle eines Lebewesens sind auf den Chromosomen die Gene als "Bauanweisung" für das jeweilige Lebewesen enthalten. Das Material, aus dem Gene bestehen, ist bei allen Lebewesen gleich. Deshalb können Teile der Erbinformation eines Lebewesens isoliert werden und in die Erbinformation eines anderen eingesetzt werden. So kann die Funktion von einzelnen Teilen des Lebewesens oder das ganze Lebewesen verändert werden.

Was ist Gentechnik?
Gentechnik im Labor...

Die Biotechnologie selbst unterteilt sich selbst in drei große Teilbereiche: Die Rote Biotechnologie bezeichnet den medizinischen und pharmazeutischen Ast der Biotechnologie, es werden beispielsweise Pilze oder Bakterien zur Herstellung von Arzneien genutzt. Die Weiße Biotechnologie heißt auch Industrielle Biotechnologie. Hier werden Mikroorganismen manipuliert, die dann industrielle Produkte herstellen. Grüne Biotechnologie schließlich betrifft die Landwirtschaft. Hier werden Pflanzen verändert, um ihre Eigenschaften zu verbessern, etwa durch gezielte Züchtung. Sobald dies mit dem oben beschriebenen Verfahren geschieht, der gezielten Isolation und dem Einschleusen von Genen, spricht man von Gentechnik.

Pro und Contra Gentechnik

Vom Grundgedanken her unterscheiden sich Grüne Biotechnologie oder Gentechnik nicht von der traditionellen Pflanzenzucht: Die Eigenschaften der Pflanzen sollen verbessert werden. Gentechnik macht es möglich, dass Nutzpflanzen beispielsweise resistent gegen Schädlinge werden, auch unter besonders ungünstigen Bedingungen wie Trockenheit gedeihen oder besonders ertragreich sind – oder alles zusammen. Vorzeigeprojekt der Gentechnik momentan ist der Goldene Reis: Er wurde so verändert, dass er das Provitamin A produziert, und soll damit gegen Mangelernährung in Entwicklungsländern eingesetzt werden. Die gesetzliche Zulassung wird innerhalb der nächsten zwei Jahre erwartet. BASF plant außerdem mit Gentechnik veränderte Speisekartoffel, die ab 2015 erwartet wird.

Was ist Gentechnik?
...und im Gewächshaus

Gentechnik Kritiker allerdings führen an, dass Gentechnik Forschung nicht in erster Linie betrieben wird, um die Welt zu retten, sondern zur Gewinnmaximierung, etwa durch hohe Ernten. Darüber hinaus wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Folgen für Gesundheit und Umwelt noch nicht einzuschätzen sind. Durch Gentechnik wird das ökologische Gleichgewicht gestört, da Genpflanzen traditionelle, schwächere Pflanzenarten verdrängen können.

Beispiele, die auf gesundheitliche Gefahren durch Gentechnik hinweisen, gibt es zuhauf. So berichtet Greenpeace von einer Gen-Sojapflanze, deren Stängel bei zu viel Hitze platzen. Greenpeace führt außerdem den Tod von sieben Kühen im Jahr 2000 auf Gentechnik Futter zurück: Die Tiere hatten so genannten BT-Mais gefressen, der zum Schutz vor Fraßschädlingen selbst ein Insektengift produzierte. Dieser Mais ist in Deutschland mittlerweile nicht mehr zugelassen.

Gentechnik in Deutschland

Was ist Gentechnik?
Das "Ohne Gentechnik"-Logo

Es gibt immer noch keine aussagekräftigen Langzeitstudien über die gesundheitlichen Risiken, die Gentechnik bergen kann. Deshalb lehnen viele Verbraucher Gentechnik ab. Im Alltag der Gentechnik auszuweichen, ist aber gar nicht so einfach. Mittlerweile wird geschätzt, dass etwa 70 Prozent aller Produkte im Supermarkt im Laufe ihrer Herstellung mit gentechnisch veränderten Produkten in Berührung kamen, sei es Milch, Käse, Eier oder Wurst. Vor allem Tierfutter besteht oft aus Gen-Mais oder Gen-Soja. Dieser Einsatz von Gentechnik muss nicht ausgewiesen werden. Deshalb gibt es für Verbraucher im Alltag nur eine Möglichkeit, Gentechnik vom Speiseplan zu streichen: Sie orientieren sich am Ohne-Gentechnik-Logo. Seit diesem Sommer können Hersteller auf freiwilliger Basis auf ihren Produkten vermerken, wenn diese ohne Gentechnik hergestellt wurden. Bei einem Milchprodukt beispielsweise muss dabei auch nachgewiesen werden, dass die Kühe nicht mit gentechnisch verändertem Futter gefüttert wurden. Eine Orientierungshilfe ist außerdem noch der Greenpeace-Ratgeber "Essen ohne Gentechnik", der kürzlich in aktualisierter Form erschien.