Was kommt nach Bio?

Es mag noch so platt klingen, Bio ist mitterweile in aller Munde. Doch Stillstand ist der Tod, und so stellte sich eine Tagung vergangene Woche die Frage: Was kommt nach Bio?
Was kommt nach Bio?
Bio, Fair, Regional: Die Trends von heute...

Seit den 1980er Jahren hat sich im Biobereich viel getan: Anfangs noch als Randgruppenerscheinung der „Ökos“ eher kritisch beäugt, ist Bio mittlerweile nicht nur ein Massenprodukt, sondern auch noch chic geworden. Nach dem Siegeszug des Labels „Bio“ im Supermarktregal und in Diskountern aber stellen sich den Pionieren der Bio-Bewegung zentrale Frage: Passen Bioprodukt und Massenproduktion überhaupt zusammen? Widerspricht die Massenproduktion nicht den Grundgedanken von Bio? Und was kommt nach Bio, wenn Bio selbst mittlerweile zum Standard der breiten Bevölkerung gehört?

Diese Leitfragen standen im Zentrum der Tagung „Was kommt nach Bio?“, die vom Institut für nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft vergangene Woche an der Uni Münster abgehalten wurde. Ernährungs- und Wirtschaftswissenschaftler, Lebensmittelproduzenten und –händler und Gastronomen suchten gemeinsam nach Antworten. So bunt gemischt die Riege der Teilnehmer und Referenten schien, gemeinsam ist ihnen, dass sie sich als Pionier der Bio-Bewegung verstehen. Erklärtes Ziel war es, den „verwaschenen Begriff Bio“ wieder zu konkretisieren und mit neuen Inhalten zu füllen.

Was kommt nach Bio?
...bleiben auch die Trends von morgen

Ausgehen mussten die Referenten und Diskussionsteilnehmer von einer ernüchternden Feststellung: Laut einer Studie des Gottlieb Duttweiler Instituts (GDI) steht hinter dem aktuellen Bio-Boom nicht in erster Linie die Sorge um die Umwelt, sondern vielmehr eine Orientierungslosigkeit des Menschen in der globalisierten Welt. Diese führt zu einer Rückbesinnung auf Tradition und Ursprung, im Fachbegriff „reconnection“. Mit dieser Rückbesinnung einher geht eine Kritik an der industriellen Fertigung von Lebensmitteln. Genau dieser Forderung nach Entindustrialisierung entspricht all das, was hinter dem Label „Bio“ steht: keine Massentierhaltung etwa, oder keine Verwendung von chemischen Düngern.

Trotzdem wollen die Teilnehmer und Referenten der Tagung einen Schritt weiter gehen. Die Lösungsansätze waren vielfältig und doch ähnlich: Referent Jörg Bartel vom Unternehmen Westfleisch eG schlug hier eine „Akzentverschiebung auf Nachhaltigkeit“ beim Bio-Begriff vor, sodass auch Kriterien wie Tierschutz, Umweltschutz und Sozialverträglichkeit berücksichtigt werden. Mit einer Ausdifferenzierung der Begriffe Bio, Fair und Regional soll Trittbrettfahrern eine Absage erteilt werden, die nur ob des Erfolges auf den Bio-Zug aufspringen. Darüber hinaus soll mehr Transparenz bei der Produktion das Vertrauen in Bio wiederbringen, das verloren ging, als Bio und Diskounter sich fanden. Somit war für Paul Söbbecke, Geschäftsführer der Bio-Molkerei Söbbecke, das Fazit der Tagung „Was kommt nach Bio?“: „Nach Bio kommt Bio.“