Slow Fisch Messe 2010

Vom 5. bis zum 7. November fand die Slow Fisch Messe in Bremen statt. Es gab Saraghina aus Italien, Austern aus Holland und weitere Fischspezialitäten, über die sich die Besucher informieren konnten. Außerdem spannende Vorträge zum nachhaltigen Fischkonsum und Stände mit besonderen Produkten, wie flambierter Stollen.

Japanische Austern aus Holland und Fisch in Fässern

Slow Fisch Messe 2010
Sprotten-Spezialität "la Saraghina" und pazifische Muscheln aus Holland

Wer als Besucher der Slow Fisch Messe die Halle 1 betrat, konnte diese beiden Stände gar nicht übersehen. Gleich am Anfang machten Holländer mit frischen Austern auf sich aufmerksam, die man direkt am Stand für 1,50 Euro kaufen und essen konnte. Es handelte sich um japanische Austern, bzw. pazifische Austern aus dem Wattenmeer und der Nordsee. Ein Infoblatt am Stand klärte auf: "Austern ein Plage? Einfach aufessen!" hieß es - denn früher gab es die "platte Auster oder Europäische Auster" in der Nordsee, die überfischt wurde und schließlich verschwand. Die japanische Auster siedelte sich an und breitete sich explosionsartig aus. Damit die Ausbreitung der japanischen Auster gebremst wird und einheimische Muscheln geschützt werden, darf die Fischerei seit diesem Jahr im holländischen Watt Austern sammeln. Diese Austern sind von ausgezeichneter Qualität, wovon sich auch die Slow Fisch Besucher überzeugen konnten. In Holland findet man die japanischen Austern aus dem Wattenmeer zum Beispiel auf dem biologischen Bauernmarkt in Amsterdam und auf dem biologischen Bauernmarkt in Utrecht.

Der zweite Stand, am Anfang der Halle 1, zog die Aufmerksamkeit der Besucher mit "la Saraghina" auf sich - eine Sprottenart aus Italien. Diese Sprotten-Spezialität der Provinz Emilia Romagna wird im Adriatischen Meer zwischen April und Juni gefangen, traditionell zwei bis drei Monate in Salz gelagert und dann in Holzfässer eingelegt und sanft gepresst, um den Wassergehalt zu senken und sie haltbarer zu machen. Sie sind sehr schmackhaft und vielfältig. Bislang wird diese köstliche Fischkonserve noch nicht in Deutschland angeboten.

Des Weiteren konnte man sich auf der Slow Fisch Messe über regionale Fischarten wie "Bio-Saiblinge" aus der Lüneburger Heide informieren und leckere Fischgerichte im Slow Fisch-Bistro essen. Für alle, die nicht auf der Messe waren - hier finden Sie einige Bezugsquellen:

Bio-Saiblinge aus ökologischer Aquakultur aus der Lüneburger Heide: Benecke, An den Fischerteichen 1, 29585 Bruchtorf

Marella-Shrimps aus heimischer Aquakultur von Europas einzigem Garnelenhof: Garnelenhof Schäfer, Dörriesloher Straße 13, 27257 Affinghausen

Karpfen, Schleie, Hecht und Edelkrebse aus den Aschauteichen, Torben Heese, Aschauteiche 1, 29348 Eschede

Bremer Goldforelle, gourmet-geräucherte Forelle aus Bremen: Ramdohrstraße 16, 28205 Bremen, Tel.: 0173-5444422

Gefriergetrockneter Bärlauch und Kürbis-Apfel-Aufstrich

Slow Fisch Messe 2010
Gefriergetrockneter Bärlauch sowie Kürbis und andere Aufstriche

Neben Fisch fand man auf der Slow Fisch Messe weitere besondere Produkte. Der Bärlauchbauer aus dem niedersächsischen Hasbergen stellte seinen gefriergetrockneten Bärlauch vor, der bis zu zwei Jahre haltbar ist und wunderbar für die Zubereitung von Bärlauchbutter, Bärlauchpesto und Bärlauchcreme verwendet werden kann.

Der Kürbishof Vogelpohl machte es einem nicht einfach: Was probiert man zu erst? Kürbis-Apfelaufstrich, Kürbisketchup oder Kürbissenf? Neben wunderbaren Kürbisprodukten gab es auch selbst gemachte Leckereien aus anderen Zutaten, zum Beispiel Spargel-Riesling-Gelee und Tomatenmarmelade.

Am Bäckerstand "von der Heide- Gourmetbrote" konnte man verschiedenste Biobrote probieren, ein Geschmackserlebnis war hier das Räuber-Kräuterkrusten-Brot, das 1 1/2 Stunden mit Kräutern im Ofen gebacken wird und dadurch so saftig und würzig ist. Außerdem konnte man "flambierten Stollen kaufen" - das Paket bestand aus 750 g Stollen, einer kleinen Flasche Whiskey und einer Schachtel Zündhölzer.

Weitere tolle Produkte, die man in Bremen erleben konnte und online bestellen kann:

Feinster Ziegenkäse vom Vulkanhof

Salz aus der Kalahari-Wüste

Kaffee von der Bremer Kaffeegesellschaft

Selbst gemachte Konfitüre aus der Manufaktur Almut Hartwig aus Oldenburg

Nachhaltiger Fischfang - Diskussionsrunde

Besucher konnten nicht nur tolle Produkte auf der Slow Fish kennenlernen, sie waren auch eingeladen, an Vorträgen zum Thema Fischerei teil zu nehmen. Am Freitag fand u.a. eine Diskussionsrunde statt zu "nachhaltiges Fischereimanagement" statt. Monika Luxem-Fritsch vom Bundesministerium für Umwelt in Bonn hatte zu einer Diskussionsrunde zu "nachhaltigem Fischereimanagement" eingeladen. Gäste waren Dr. Christian Pusch vom Bundesamt für Naturschutz, Gerlinde Geltinger vom MSC-Siegel und Kai-Arne Schmidt von der Kutterfisch-Zentrale GmbH, beleuchtet wurden die Themen Fischfangquoten und nachhaltige Fischerei.

Von Seiten des Bundesamtes für Naturschutz wurde ein Überblick über die Fischerei weltweit und in Nord- und Ostsee gegeben und warum Fischbestände so bedroht sind. So ist zum Beispiel Beifang ein großer Faktor - Fische, die mit gefangen werden, aber weil sie zu klein sind wieder zurück ins Meer geworfen werden. Ein weiteres Problem sind die negativen Auswirkungen durch so genannte Grundschleppnetze, die auf dem Meeresboden entlang gezogen werden. Dabei werden Meerestiere wie Korallen, Muscheln und Seesterne schwer geschädigt. Ziel des BfN ist es, u.a. Meeresschutzgebiete einzurichten und die Fischerei so zu gestalten, dass sie dort und in anderen Gebieten nachhaltig betrieben wird.

Dass Fische bzw. Fischprodukte aus nachhaltiger Fischerei kommen, garantiert das MSC-Siegel. Gerlinde Geltinger von MSC berichtete, dass der Bekanntheitsgrad des blau-weißen Siegel innerhalb der letzten zwei Jahre von 11% auf 36% angestiegen sei. Knapp die Hälfte der Befragten hierzulande beschrieben das Siegel als „Zeichen für nachhaltigen Fisch“. Das MSC-Siegel ist übrigens ein weltweites Siegel und in Deutschland gibt es die meisten MSC-zertifizierten Produkte.

MSC-zertifizierten Seelachs gibt es auch von der Kutterfisch-Zentrale. Kai-Arne Schmidt, einer der Geschäftsführer, gab aus der Fischerei-Perspektive zu bedenken, dass keiner seiner Fischer seine Existenzgrundlage absichtlich gefährden würde und grundsätzlich nachhaltig arbeiten würde. Er kritisierte andere EU-Länder, die sich im Gegensatz zu Deutschland nicht an die von der EU fest gelegten Fangquoten halten würden und forderte die Gültigkeit der EU-Gesetze für alle und eine Ausweitung der Kontrollen. Zudem wünschte er sich die Erhebung detaillierterer wissenschaftlicher Daten für die Festlegung der Fangquoten.

Alle drei Parteien blicken mit Spannung auf das Jahr 2013, in dem die Reform der Fischereipolitik statt finden soll und neue Spielregeln für die europäische Fischerei aufgestellt werden sollen.

Übrigens: 85 % des Fischangebots in Deutschland wird importiert. Um regionale, nachhaltige Fische und Fischprodukte zu unterstützen, lohnt es sich, beim Fischhändler nachzufragen, wo der Fisch genau herkommt und ob er aus nachhaltiger Fischerei stammt. Beim Einkauf von verpacktem Fisch und Fischprodukten aus dem Meer sollten Sie auf das MSC-Siegel achten, um sicher zu gehen, dass diese aus nachhaltiger Fischerei kommen. Für den Kauf von Fischen aus Zucht stehen verschiedene andere Öko-Siegel zur Auswahl.