Le Beaujolais nouveau est arrivé

Seine Fans sind schon ungeduldig, und am 18. November um 0 Uhr ist es so weit: “Le Beaujolais nouveau est arrivé”. Traditionell am dritten Donnerstag im November wird im Beaujolais der erste Wein des neuen Jahrgangs ausgeschenkt.

Vom Marketingag zum Kult

Le Beaujolais nouveau est arrivé
Die Gamay-Traube gärt im Ganzen...

Die Geschichte des Beaujolais begann vor etwa 60 Jahren: Die Winzer des Beaujolais, einem Anbaugebiet nahe des Burgund, erstritten sich eine Ausnahmegenehmigung und durften ihren Wein bereits im Jahr der Herstellung verkaufen. Als Stichtag für den Primeur wurde damals der dritte Donnerstag im November festgelegt. Diese Sonderregelung, im Prinzip ein Marketing-Gag, verlieh dem neuen Wein aus dem Beaujolais plötzlich den Flair des Besonderen: In Paris erlangte der neue Wein schnell Kultstatus, und auch das Ausland war mit einem Mal interessiert am Beaujolais. Angeblich flogen englische Adlige sogar mit Privatjets ein, um den neuen Wein des Jahrgangs als erste zu trinken. Die Beaujolais-Partys überall im Gebiet (und mittlerweile auch weltweit) sind legendär, und so wird es auch diesen Donnerstag wieder feuchtfröhlich zugehen, wenn es heißt: “Le Beaujolais nouveau est arrivé”.

Den Beaujolais-Wein zeichnet eine besondere Art der Herstellung aus: Bei der „macération carbonique“ findet die Gärung innerhalb der Trauben statt. Damit die schwarzen Gamay-Trauben nicht verletzt werden, verliest man sie traditionell von Hand. Die ganzen Trauben werden dann in einen Gärbottich gegeben und platzen erst durch den Gärprozess. Die Gärung ist bereits nach wenigen Tagen abgeschlossen, der Beaujolais wird in Flaschen gefüllt und kann ausgeliefert werden. Auf diese spezielle Weise entsteht ein spritziger, junger Rotwein.

Bleibt die Qualität auf der Strecke?

Le Beaujolais nouveau est arrivé
...und von Hand gelesen

Aufgrund der schnellen Herstellung bleibt dem Beaujolais kaum Zeit für Lagerung und Reifung. Beim Beaujolais heißt es: schnell trinken! Denn der neue Wein ist nicht lagerfähig und deshalb nur wenige Monate haltbar. Die schnelle Zubereitung und Reifung schlagen sich außerdem auf Geschmack und Qualität des Weins nieder. Um möglichst viel in der kurzen Zeit aus den Trauben herauszuholen, und auch um die große Nachfrage nach dem Kultwein befriedigen zu können, greifen viele Winzer auf Hilfsmittel zurück. Nicht selten wird der Beaujolais gezuckert oder es werden Reinzuchthefen zugefügt. So entsteht der charakteristische Geschmack des Beaujolais, allgemein wird der Beaujolais als fruchtig, süffig und süß beschrieben. Für viele heißt das: Kopfwehalarm!

Es gibt jedoch auch Ausnahmen: Einige wenige Winzer im Beaujolais machen sich die Arbeit und stellen den jungen Wein noch traditionell her. Sie setzen weder Synthetikdünger noch Pestizide ein, die Gärung läuft nur mit natürlichen Hefen ab und der Wein wird nicht gefiltert. Vor allem diese traditionellen Spitzenweine sind begehrte Spezialitäten in den besten Restaurants im Beaujolais.