Fettsteuer in Dänemark verabschiedet

Die Dänen sind zu dick - findet zumindest die dänische Regierung. Um ihre Bürger zum Abspecken zu bewegen, hat sie diese Woche die Einführung einer Fettsteuer beschlossen. Fette Lebensmittel wie Käse, Butter oder Pizza werden nun um einiges teuerer als bisher.
Fettsteuer in Dänemark verabschiedet
Auch Schokolade wird in Dänemark teurer

Mit einer Sondersteuer will die dänische Regierung ihre Einwohner zu einer fettärmeren Ernährung animieren. Die Grundannahme: Fett schade der Gesundheit, gehöre zu den Hauptursachen für viele Volkskrankheiten und trage so im Gesundheitssystem jährlich zu enormen Kosten bei. Mit einer Steuer von 1,8 Euro pro Kilogramm gesättigter Fettsäuren werden nun ab dem 1. Juli 2011 fettreiche Lebensmittel um einiges teurer. Die Dänen sollen so dazu gebracht werden, fettärmere Lebensmittel zu kaufen. Man erhofft sich schlankere Bürger, eine höhere Lebenserwartung - und volle Staatskassen.

Dem dänischen Beschluss war eine jahrelange Diskussion voraus gegangen. Lebensmittelkonzerne, insbesondere die Molkereien, hatten sich bis zuletzt gegen die Einführung der Fettsteuer gewehrt. Deshalb gibt es nun auch eine Grenze von 3,5 Prozent Fett: Lebensmittel, deren Fettgehalt unter diesem Wert liegt (beispielsweise Milch), bleiben von der Fettsteuer verschont.

Fettsteuer in Deutschland?

Dr. Silke Thiele vom Institut für Ernährungswirtschaft und Verbrauchslehre in Kiel hat berechnet, wie sich die Einführung einer Fettsteuer auf Essverhalten und Gesundheit der Deutschen auswirken könnte. Bei einer Steuer von 0,5 Cent pro gesättigtem Gramm Fett würde beispielsweise ein Liter Vollmilch 11 Cent mehr kosten, ein Liter entrahmte Milch 5 Cent. Die Verteuerung fettreicher Lebensmittel könnte die Ernährung der Bevölkerung extrem verändern: Die Konsumenten würden voraussichtlich weniger tierische Lebensmittel wie Fleisch, Milch, Käse und Eier verzehren, dafür vermutlich mehr Getreideprodukte, Obst und Gemüse. Wenn das zuträfe, würde man im Schnitt etwa 70 kcal pro Tag weniger zu sich nehmen, was aufs Jahr gerechnet einem Gewichtsverlust im Kilobereich entspräche.

Jedoch stellte die Wissenschaftlerin auch Nachteile einer Fettsteuer fest. Fett sei nicht grundsätzlich ungesund und Träger wichtiger fettlöslicher Vitamine. Die Aufnahme weiterer Nährstoffe, wie etwa Jod, würde sich reduzieren. Außerdem wäre die finanzielle Belastung nicht für alle Haushalte gleich - die höheren Kosten für Fett müssten auch Normalgewichtige tragen. Vielleicht auch aus diesen Gründen ist in anderen europäischen Ländern eine Fettsteuer bisher nicht geplant.