Neue EU-Verordnung für Olivenöle

Die EU-Kommission hat den Grenzwert für chemische Rückstände in Olivenöl "extra nativ/extravergine" erhöht. Wird so der Weg für Ölpanscher frei gemacht?
Neue EU-Verordnung für Olivenöle
Olivenöl extra nativ darf in Zukunft chemische Rückstände enthalten

Mit der EU-Verordnung 61/2011 hat die Kommission den Grenzwert für chemische Verbindungen in Olivenölen erhöht. Ab dem 1. April dürfen Olivenöle mit bis zu 150 mg/Kilogramm Alkylestern unter der Bezeichnungen "extra nativ/extra vergine" verkauft werden. Erhöhte Mengen an Alkylester gelten beim Olivenöl als Indikator für minderwertige Qualität. Alkylester entstehen durch die Verbindung von freien Fettsäuren mit niedermolekularen Alkoholen, vor allem bei minderwertigen Herstellungstechniken oder bei der Verarbeitung von Früchten schlechter Qualität. Der neue Grenzwert erhöht die Toleranz für Alkylester in Olivenöl "extra nativ/extravergine" etwa um das 15-fache.

Die Verbraucherschutzorganisation Slow Food weist darauf hin, dass mit der neuen Verordnung Olivenölproduzenten die Möglichkeit gegeben wird, Olivenöle unterschiedlicher Qualität zu mischen, ohne dass dies für den Käufer auf der Verpackung explizit kenntlich gemacht werden muss. So könnten ab dem 1. April auch so genannte "desodorierte" Olivenöle unter dem Gütesiegel "extra nativ/extravergine" verkauft werden. Beim Verfahren der Desodoration werden mithilfe von Wasserdampf unerwünschte Aroma- und Geschmacksstoffe entfernt, weshalb es oft bei Olivenölen minderer Qualität zur Anwendung kommt. Für Olivenöl "extra nativ/extravergine" war das Verfahren der Desodoration bisher verboten, da zu viele chemische Rückstände im Öl verbleiben.