Neue Erkenntnisse über Omega-3-Fettsäuren

Um den lebenswichtigen Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken, gehören ein bis zwei Portionen fettreicher Seefisch pro Woche zu den allgemeinen Ernährungsempfehlungen. Denn bislang geht man davon aus, dass der menschliche Körper diese Fettsäuren nicht selbst bilden, sondern nur über Seefisch ausreichend aufnehmen kann. Eine neue Studie legt nun die Annahme nahe, dass Nicht-Fisch-Esser die essentiellen Omega-3-Fettsäuren aus pflanzlicher Nahrung umwandeln können, und das in ausreichendem Maße.

Omega-3-Fettsäuren und ihre Funktionen

Neue Erkenntnisse über Omega-3-Fettsäuren
Vielleicht kann der Körper aus pflanzlichen Nahrungsmitteln ausreichend Omega-3-Fettsäuren bilden

Unser Körper braucht Omega-3-Fettsäuren zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der Gehirnfunktionen und für die Immunabwehr. Außerdem mindern diese speziellen Fettsäuren die Entzündungsneigung im Gewebe, verringern die Thrombosegefahr und helfen Herzrhythmusstörungen vorzubeugen.

Es gibt verschiedene Omega-3-Fettsäuren: Die so genannte Alpha-Linolensäure (ALA) kommt vor allem in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Rapsöl vor. Diese Vorstufe der essentiellen Omega-3-Fettsäuren Eisosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) gilt jedoch als weniger effektive Quelle. Denn bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Anteil der pflanzlichen ALA, der in die essentiellen Fettsäuren EPA und DHA umgewandelt wird, zur Erhaltung der Körperfunktionen nicht ausreicht. Da EPA und DHA in Kaltwasserfischen wie Lachs, Makrele und Hering enthalten sind, liegen die Verzehrsempfehlungen aktuell bei ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche, um eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren zu garantieren.

Neue Studie: Kann der Körper aus pflanzlichen Nahrungsmitteln ausreichend Omega-3-Fettsäuren bilden?

Eine im American Journal of Clinical Nutrition im November 2010 veröffentlichte britische Studie hat untersucht, ob der Körper Kapazitäten entwickeln kann, um aus ALA pflanzlicher Herkunft vermehrt die lebensnotwendigen Fettsäuren EPA und DHA zu bilden.

Im Rahmen der Studie wurden 14.422 Männer und Frauen in drei Untersuchungsgruppen befragt: Fisch-Esser, Fleisch-Esser (die keinen Fisch essen), sowie Vegetarier (bzw. Veganer). Bei allen drei Gruppen wurde die Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren und deren Quellen ermittelt.

Die Studie kam zu folgenden Ergebnissen:

Fischesser nehmen mehr essenzielle Omega-3-Fettsäuren auf als Menschen, die keinen Fisch essen.

Wer keinen Fisch, aber Fleisch isst, nimmt Omega-3-Fettsäuren vor allem über das Fleisch auf.

Vegetarier und Veganer nehmen Omega-3-Fettsäuren am häufigsten in Form von Suppen und Saucen zu sich.

Männer nehmen mehr Omega-3-Fettsäuren zu sich als Frauen.

Frauen wandeln mehr pflanzliche Fettsäuren in essenzielle Omega-3-Fettsäuren um.

Frauen bzw. Nicht-Fischesser wandeln vergleichsweise mehr pflanzliche Fettsäuren in essenzielle Omega-3-Fettsäuren um als Männer bzw. Fisch-Esser.

Aus Ihren Ergebnissen folgern die Forscher die Annahme, dass bei fehlendem Fischverzehr mehr pflanzliche Fettsäuren in essentielle Omega-3-Fettsäuren umgewandelt werden könnten – zur Bestätigung dieser Annahme bedarf es weiterer Forschung.

Bestimmt die Ernährungsweise die Kapazitäten des menschlichen Körpers, Fettsäuren in Omega-3-Fettsäuren umzuwandeln?

Der Mensch scheint demnach seine Fähigkeit, Fettsäuren in Omega-3-Fettsäuren umzuwandeln, anpassen zu können – je nachdem, ob er Fisch oder Fleisch isst, oder ob er sich ganz vegetarisch bzw. vegan ernährt.

Sollten zukünftige Studien diese neuere Annahme bestätigen, könnten sich die bisher geltenden Ernährungsempfehlung hinsichtlich der Omega-3-Fettsäuren grundlegend verändern. Bis es soweit ist, gelten weiterhin die aktuellen Empfehlungen von ein bis zwei Portionen Seefisch pro Woche, um eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Omega-3-Fettsäuren zu sichern.