Interview mit Heike von Au

Im Internet ist Heike von Au als Food-Bloggerin für ihre Koch- und Schreibkünste bekannt. Unter den Jugendlichen ihrer Heimatstadt Sinsheim gilt sie außerdem als begnadete Kochlehrerin. Im Interview erzählt sie, wie sich ihre heimische Küche zum Bistro mit Testküche verwandelte.

Wie bist Du darauf gekommen, eine Gruppe von Jugendlichen zum Kochen einzuladen?

Das war eine spontane Idee. Ein Freund meiner Kinder hat mich angesprochen und erzählt, dass er gerne mal kochen würde. Seine Mutter würde zwar jeden Tag kochen, aber würde ihn dabei kaum in die Küche lassen. Als er zu mir kam, hatte er gleich noch drei Jungs mitgebracht. Man muss sich das so vorstellen: „Böse Jungs“ mit Piercings, Kappen und dem Hosenbund in den Kniekehlen zwischen 16 und 18 Jahren stehen in meiner Küche und kochen mit mir. Wir hatten unglaublichen Spaß daran. Das Ganze hat sich über Facebook herumgesprochen und wir haben es schon bald wiederholt. Es hat sich herausgestellt: Wenn man es den Jugendlichen anbietet sind sie ganz nett und freundlich.

Interview mit Heike von Au
Weiß genau, wie man Jugendliche zum Kochen bringt: Heike von Au

Was habt Ihr von da an gekocht?

Es waren keine großen Gerichte, aber wir haben zum Beispiel Nudeln selbst gemacht. Ich habe mich selbst zurückgenommen, habe nur zugesehen und erklärt, was zu machen ist. Sie haben ganz schnell Spaß daran entwickelt zu kochen, Nudeln selbst zu schneiden und eine Sauce dazu zu machen. Sie haben auch erfahren, wie viel Zeit und Aufwand hinter dem Kochen steckt, doch beim Essen hat man dann natürlich ein ganz anderes Erfolgserlebnis. Bei solchen einfachen Dingen habe ich die Kosten selbst übernommen, bei manchen mangelt es ja auch am Geld.

Was reizt Dich persönlich am Kochen mit den Jugendlichen?

Ich finde Kochen, Essen und Ernährung ist nicht nur für mich, sondern für jeden Menschen eines der wichtigsten Themen. Wenn man mit einer gewissen Einstellung herangeht, ist es ein Beitrag zu einer besseren Welt. Jeder kann einen kleinen Beitrag leisten, indem er bessere Produkte kauft, sie selbst zubereitet und auf Industrieware verzichtet. Ein zweiter wichtiger Punkt ist für mich die Tradition. Essen ist ein Kulturgut, und wenn immer mehr Leute mit Fertigprodukten kochen, weiß irgendwann niemand mehr, wie eine Bratensauce wirklich schmeckt. Wir sind jetzt schon in Begriff, solche Dinge zu verlieren. Die Generation meiner Mutter hatte auch keine Lust, die altbackenen Sachen ihrer Eltern nachzukochen. Es wurde weltoffen gekocht, italienisch und asiatisch, und irgendwann fragte man sich: Wie geht nochmal der Sauerbraten und der Kartoffelsalat? Bei manchen Eltern ist da schon Hopfen und Malz verloren, sie wollen nichts mehr ändern. Aber die Jugend kann man noch packen.

Eltern sind also ausgeschlossen?

Vollkommen! Zumindest in diesem Rahmen (lacht).Viele Anfragen über Zubereitungsmethoden oder Probleme am Herd bekomme ich über den Blog und auch facebook und meist ergibt das einen sehr fruchtbaren Austausch. Diesen ganz direkten Austausch mit meinen Lesern, ob jung oder alt, genieße ich mit Leidenschaft.

Was kochen die Jugendlichen am liebsten?

Nudeln, Pizza und Eis stehen natürlich hoch im Kurs. Wir kochen auch gerne Saucen, die über Hackfleisch und Tomaten hinaus gehen, aber immer noch zu den Grundlagen gehören, wie zum Beispiel eine Carbonara. Eine große Frage ist auch, wie man Gemüse richtig kocht. Es muss nur zeitlich im Rahmen bleiben, ein Schweinebraten würde nicht so gut funktionieren. Obwohl mich solche Dinge reizen, weil ich sehr großen Wert auf gute Produkte lege. Mein Metzger hatte auch schon vorgeschlagen, ihm einen Besuch abzustatten, damit er zeigen kann, wie ein halbes Rind im Ganzen und zerlegt aussieht, um damit zu zeigen, dass es eben nicht immer nur Lende geben kann. Im Sommer würde ich auch gerne mal einen Grilltag machen. Oder einfach mal über den Markt gehen, um Gemüse zu bestimmen und zu erklären, was woher kommt und in welcher Saison es in guter Qualität verfügbar ist. Diese Dinge liegen mir am Herzen, da lege ich gerne den Finger drauf.

Gilt Deine Küche unter den Jugendlichen schon als feines Bistro?

Ja, durchaus. Dabei sind es ja oft nur Kleinigkeiten. Letztens gab es zum Beispiel einfach nur Pellkartoffeln und Quark. Ich hatte extra mehr gekocht, weil ich später noch Bratkartoffeln machen wollte, aber als ich nach Hause kam, waren keine Reste mehr übrig. Ein paar Jungs, die Freunde von meinem Sohn, gehen immer zuerst in die Küche und schauen in die Töpfe, ob noch was abzustauben ist. Aber das freut mich mehr, als dass es mich ärgert. Ich sage ihnen ja auch, dass sie alles aufessen sollen, wenn sie Lust haben – das ist auf jeden Fall besser, als wenn etwas weggeworfen werden muss.

Warum funktioniert das Kochen in der Gruppe so gut?

Wie gesagt, die Kinder wirken immer so böse, dass man in der Stadt wohl einen Bogen um sie machen würde. Aber wenn man sie mal an die Hand nimmt, können sie richtige Herzchen sein, die Servietten benutzen und Tischmanieren an den Tag legen. Es ist total klasse, welche Interessen sie entwickeln und was man aus ihnen herauskitzeln kann, wenn man ihnen einfach etwas zutraut. Die Jugendlichen sind hier auch außerhalb der Kochzeiten willkommen, wenn ich eine ablehnende Haltung hätte, würde das nicht funktionieren. So aber schlagen sie sich fast darum, wer den Nudelteig ausrollen darf (lacht). Auf meine Küche darf ich allerdings keine Rücksicht nehmen. Auch wenn sie sich bemühen, aufzuräumen, sieht es nach dem Kochen sicher nicht so aus wie vorher. Aber ich habe das Gefühl, dass ich ihnen etwas Gutes tue und räume dann auch gerne selbst auf. Es ist auch hilfreich, dass es im kleinen Rahmen stattfindet. Sicher gibt es solche Kurse auch an der Volkshochschule, aber wer geht denn da hin? Eher die Leute, die sich sowieso eher dafür motivieren lassen. Im häuslichen Rahmen findet man einen besseren Draht. Ich mache auch kein großes Theater darum, wenn jemand raucht oder mal ein Bier trinkt. Beim Essen setze ich mich auch nicht immer dazu, eine gewisse Distanz ist ja doch da und für die Gruppe ist es dann einfach ungezwungener. Es kommt aber immer auf die Gruppe an.

Wie kamst Du selbst zum Kochen?

Ich bin sehr früh von zu Hause ausgezogen und wollte irgendwann mal wieder essen wie bei Oma. Also habe ich ungefähr mit 18 meinen ersten Schweinebraten mit Sauce gemacht. Ich wusste nicht wirklich wie es geht, hatte bei der Oma nur zugesehen und musste lange ausprobieren, bis ich es konnte. Es war mir schon immer wichtig, jeden Tag etwas Frisches auf dem Tisch zu haben. Irgendwann hat mich mein bester Freund gedrängt, ein bisschen mehr in die Öffentlichkeit zu gehen, weil er fand, dass noch mehr Leute von meinen Kochkünsten erfahren sollten. Also habe ich bei TV-Sendungen mitgemacht und irgendwann kam der Blog. Es wurde langsam immer mehr, bis ich irgendwann festgestellt habe, dass ich einige Projekte zurückschrauben muss, um mich den Dingen widmen zu können, die mir Spaß machen – wie zum Beispiel das Kochen mit den Jugendlichen.

Würdest Du Dir wünschen, dass dein Beispiel Schule macht?

Es ist ein Markt dafür da. Es gibt eine Menge Frauen um die 40, die Karriere gemacht und spät Kinder bekommen haben. Sie haben sich vielleicht immer gut ernährt aber nicht gekocht, möchten ihren Kindern aber jetzt eine gute Ernährung bieten. Der Blick ins Kochbuch reicht da häufig nicht aus, wenn einem die Erfahrung fehlt.

Vielen Dank für das Interview!

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