Laura Seebacher im Interview

Wer Textiles Management studiert und seine Diplomarbeit über das Thema Sehnsucht schreibt, die durch den Geruch frisch gebackener Plätzchen entsteht, hat definitiv eine Schwäche für Gebackenes. Wie Laura Seebacher, deren Torten, Kuchen und Kekse nicht nur unglaublich gut schmecken, sondern auch phantastisch aussehen. Wir haben Laura Seebacher, deren erstes Backbuch "Liebes Bisschen" Anfang September erscheint, einige Frage zu ihrer Pâtisserie-Kunst und ihrer Vorliebe für schöne süße Sachen gestellt.
Laura Seebacher im Interview
Laura Seebacher hat eine Schwäche für Süßes

essen-und-trinken.de: Woher die Leidenschaft für Süßes?

Laura Seebacher: Ich habe immer gerne gebacken, Süßigkeiten sind schon als Kind mein Traum gewesen. Taschengeld wurde vor allem in Lakritze investiert, Schokolade kam erst so mit 12 dazu. Süßigkeiten waren immer etwas ganz Großartiges, aber Mode auch, deswegen das Studium. Meine Oma war Hauswirtschaftslehrerin, mit ihr haben meine Schwester und ich ganz viel gebacken. Sie hat mir auch sehr viel beigebracht.

"Learning by doing" sozusagen?

Ja genau, von Grund auf wusste ich, wie es geht. Beim Ausprobieren habe ich gemerkt: Das scheine ich ganz gut zu können. Nach meiner Diplomarbeit bin ich ins "Le Cordon Bleu" [renommierte Koch-/Patisserie-Schule, Anm. d. Red.] in London gegangen. Ich habe nach einer fundierten Ausbildung gesucht, die nicht noch mal zwei bis drei Jahre dauert. Naja, und im "Cordon Bleu" lernte ja auch Sabrina alias Audrey Hepburn die Eier fürs Soufflé aufschlagen. Mein Französisch ist etwas limitiert, daher bin ich in die Dependance in London. Das war toll, anstrengend und sehr intensiv. Wir haben mit Blätterteig angefangen und mit den großen Festtagstorten aufgehört. So habe ich mir eine ganz tolle Basis erworben und alles, was ich noch wissen wollte, mir selbst beigebracht.

Was macht Dir beim Backen am meisten Spaß?

Die großen Torten: die Hochzeitstorten, die Torten für große Veranstaltungen, wo ich kreativ sein darf. Mir macht es natürlich auch unglaublichen Spaß Rezepte zu entwickeln, bekannte Rezepte zu nehmen und mit neuen Gewürzen oder anderen Zutaten zu experimentieren. Ich fahre auch gerne in anderen Städte oder ins Ausland um zu gucken, was es da so an tollen Sachen gibt. Viele Sachen findet man nur optisch ganz toll oder man mag etwas geschmacklich sehr. Das bindet man dann irgendwie in seine eigenen Sachen ein und entwickelt dadurch natürlich etwas Neues.

Wie ist die Idee für Dein Backbuch „Liebes Bisschen“ entstanden?

Ich war in der NDR Talkshow und danach hat man mich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte, ein Backbuch zu machen. Ich wollte schon immer gerne ein Buch machen. Der Laden ist sehr klein und wir können all die Rezepturen gar nicht alle zeitgleich anbieten. Unser Sortiment wechselt zwar je nach Saison, aber auch nach Lust und Laune. Ich biete hin und wieder Macarons an, da ich sie selbst sehr gerne esse, aber sie gehören nicht zu unserem Standardsortiment. Cupcakes, Cookies und Brownies gibt es hingegen immer, dazu kommen noch ein paar Specials.

Was für Rezepte finden sich in deinem Buch?

Es sind ein paar Klassiker aus unserem Laden und ganz viele neue Sachen. Sehr frische und sehr bunte, also farbenfrohe Produkte, die trotzdem eine schlichte Eleganz haben. Klassiker erhalten neue Geschmacksnuancen oder ein neues Aussehen. Es sind wirklich tolle Sachen dabei. Ich bin schon sehr stolz darauf. Mein Traumprojekt in dem Buch sind die Macarons, die ich als Discokugel entworfen habe - das sieht ganz gut aus finde ich. Das Rezept ist nicht unbedingt 100 % gelingsicher, aber man weiß ja, dass Macarons häufg etwas divenhaft sind - mal wollen sie, mal wollen sie nicht - aber ich würde sagen, zu 90 % klappt's mit dem Rezept.

Wir hast Du das Konzept für den Laden entwickelt?

Das hat sich ergeben. Ich bin aus England zurück gekommen und habe mir eine Backstube eingerichtet mit einer Art Showroom. Ich habe damals nur Aufträge für Hochzeiten oder andere besondere Anlässe angenommen. Das war genau das, was ich machen wollte. Relativ schnell gab es jedoch eine gewisse Nachfrage, der ich nicht mehr nach kam. Ich konnte oft nicht von heute auf morgen liefern, als eine Person in einer kleinen Backstube. Als Lösung fiel meinem Freund und mir ein, dass wir doch ein Café aufmachen können. Als wir suchten, fanden wir diesen Laden. Lage ist ok, Preis ist auch ok – machen wir.

Ihr bietet hier aber weitaus mehr als ausschließlich Torten an?

Wir brauchten ein schönes besonderes Produkt, das man täglich anbieten kann. Damals [2008, Anm. d. Red.], war der Cupcake-Trend in Deutschland noch nicht hundertprozentig angekommen. Das lief und hat sich bis heute sehr gut entwickelt. Ich hatte ja für meine Diplomarbeit bereits ein Ladenkonzept geschrieben, daraus haben wir viele Ideen genommen. Dass die Farben und die Einrichtung nicht ganz so modern sind beispielsweise, so dass man dieses Sehnsuchtsgefühl bekommt. Es soll nicht sein wie beim Oma, sondern dich als Gast ein bisschen in die Vergangenheit zurück transportieren.

Zu den derzeitigen Food-Trends gehört vegane Ernährung. Auch im "Liebes Bisschen" gibt es vegane Kuchen – von Anfang an?

Ich esse kein Fleisch, verwende auch keine Gelatine, es war also alles bereits vegetarisch. Viele Leute sind laktoseintolerant, das ist auch noch mal so eine Sache. Man versucht dann doch irgendwie, was zu haben, was auch für alle da ist. Der vegane Trend zeichnete sich vor so ca. zwei Jahren deutlich ab. Jonathan Safran Foer, einer meiner Lieblingsschriftsteller, hatte das Buch „Tiere essen“ raus gebracht. Persönlich fand ich das einen tollen Anstoß, zu gucken, was man eigentlich wirklich so isst und wir haben dann ein paar vegane Kuchen entwickelt. Aber das ist nicht so einfach. Da hatten wir ein paar „Error“- Sachen dabei (lacht). Aber wenn man sich da rein gefuchst hat und weiß, was man wie miteinander austauschen kann, welche Sojasahne oder Reissahne funktioniert, welche pflanzliche Margarine schmeckt, welche nicht ... Wir mussten die Rohware erstmal wirklich austesten und damit herumexperimentieren, da auch das Backverhalten ein bisschen anders ist. Im Buch sind auch einige vegane Rezepte drin, wobei ich versuche, sehr wenig mit Ersatzprodukten zu arbeiten.

Was für vegane Produkte bietet ihr an?

Wir haben vegane Kekse, Cupcakes, Zucchinikuchen, einen veganen Carrot-Cake, und einen Bananen-Schokoladenkuchen. Es gibt im Buch ein ganz tolles Rezept für eine Rote Bete Torte, die ist wirklich sehr lecker. Ein ganz besonderes Produkt, das man, auch wenn man jetzt nicht vegan lebt, vielleicht mal ausprobieren möchte.

Haben eure Gäste einen „All-Time-Favorite“?

Cupcakes sind ein Dauerbrenner, die Brownies gehen vor allem im Winter weg wie warme Semmeln. Die sind halt wahnsinnig schokoladig. Wir haben sogar Leute, die schicken Freunden in Amerika unsere Brownies. Ist natürlich schön. Wir machen die Brownies hier schon ein wenig anders, wie auch unsere Cupcakes nicht ganz so buttrig und schwer sind. Wir arbeiten viel mit Frischkäse, unsere Fruchtpürees sind wirklich echte Fruchtpürees. Hochwertige Zutaten sind das A und O um ein gutes Produkt zu haben. Ich würde immer dazu raten, gerade bei Schokolade, sich durchzuprobieren, vielleicht mal einen Euro mehr zu investieren. Es macht wirklich einen großen Unterschied, wenn man gute Rohzutaten verwendet.

Backst Du denn noch privat für Freunde?

Nee, eher selten. Aber ich koche gerne! Klar erwarten meine Gäste dann auch ein tolles Dessert. Ich backe hier in der Backstube fast jeden Tag, auch wenn wir zu zweit in der Küche sind, arbeiten wir etwas zeitversetzt, da wenig Platz ist. Ich mache vor allem die Hochzeitssachen, die Torten und die Deko - das ist mein Herzblut.

Deine eigenen süßen Favoriten?

Ich mag Zitrusfrüchte sehr gerne, alles was schön frisch und fruchtig ist und ich mag wirklich dunkle Schokolade - so richtig hochprozentige Schokolade, und Eis. Das hier anzubieten, wäre auch noch mal ein Traum. Da kann man auch ganz viel mit machen.

Also weiterhin große Lust auf Süßes?

Ja, die Küche ist ja hauptsächlich morgens aktiv, also wir backen morgens, und da probiere ich natürlich vieles - und das ist dann auch mein Frühstück, ganz süß.

Was gibt es bei Dir, wenn es nichts Süßes ist?

Ich liebe asiatisches Essen. Ich würde mich fast als Sojasaucen-abhängig bezeichnen. Ich grille aber auch sehr gerne – ohne Fleisch. Das Grillen selbst ist immer ein Event, man sitzt mit Freunden oder Familie zusammen, das ist gesellig. All das verbinde ich mit Grillen, deswegen finde ich es auch so schön. Wenn es schnell gehen muss, würde ich mir eigentlich immer was vom Asiaten holen, bin der totale Suppenmensch. Ich liebe Suppe und kann sie echt sehr häufig essen.

Dein Lieblingsrestaurant in Hamburg?

Oh, das ist schwierig. Ich mag das Café Johanna sehr gern. Mamalicious mag ich auch. Und den Marinehof in der Neustadt. Die Küche ist gut, der Wein ist gut, die Atmosphäre ist gut – das ist auch einfach so schön für abends, wenn man noch mal kurz vor die Tür möchte.

Vielen Dank für das Gespräch!

Hier geht's zur Rezension von Laura Seebachers Backbuch "Liebes Bisschen - Traumhaft backen leicht gemacht!