Le Grand Bordel

Welch ein grandioses Durcheinander: Großartige Geschichten, weit ausholende Anekdoten und die feinsten französischen Rezepte vereinen sich in "Le Grand Bordel" zu einem opulenten Buch, das auf jeder Seite das Leben, den Genuss und die Lust am Kochen und Essen feiert - c'est formidable!
Le Grand Bordel
Lebensfreude und Genuss par excellence: Le Grand Bordel

Mit der Wahrheit sollte man es bei Geschichten nicht immer allzu genau nehmen - dienen sie doch in erster Linie der Unterhaltung und dem Vergnügen. Wobei sich die Frage nach dem Wahrheitsgehalt der wunderbar ausufernden Anekdoten in Le Grand Bordel nach den ersten Sätzen sowieso erübrigt: Üppig, phantasievoll und mit illustren Personen wie Wallis Simpson, Christian Dior und Picasso ausstaffiert, versinkt man bereits auf den ersten Seiten in dieser Melange aus Absurditäten, Abenteuern und französischem laissez-faire.

Doch die eigentliche Hauptrolle spielt, neben Monsieur Nicholas, dem Neffen von Picassos ehemaliger Köchin Inès, das Essen - genaugenommen die Küche der Provence. Bevor wir jedoch zu den umwerfenden Rezepten kommen, geht's erst mal zurück zu Monsier Nicholas, der mit seiner Frau Jany das Restaurant Le Fournil in Mougins betreibt. Ein Ort, der sich für die zwei noch ausstehenden Hauptprotagonisten des Buches, der Schauspieler und Tänzer Stephan Hippe sowie sein Partner Dr. jur. Boris Krivec, als schicksalsweisend bezeichnen lässt. Hier, unter der Sonne Frankreichs reift bei den beiden die Idee, die formidable Küche auch im von der Sonne weniger verwöhnten Hamburg anzubieten.

Gesagt, getan. Stephan Hippe lernt bei Monsieur Nicholas die nötigen kulinarischen und gastronomischen Kniffe, Boris Krivec legt seine juristische Karriere auf Eis und gemeinsam eröffnen die beiden die Brasserie La Provence in Ottensen. Das alles ist inzwischen einige Jahre her, die Brasserie La Provence bietet seither geballte französische Lebensfreude und provencalische Genüsse par excellence: Lachstartar mit gegrillter Kirschtomate, confierte Kaninchenkeule mit leichter Thymian-Senf-Sauce, in Rotwein geschmortes Rinderragout mit einem Hauch Orange, Tarte mit Ziegenfrischkäse und Ratatouille-Marmelade oder Kalte Hundeschnauze auf provenzalisch - die Rezepte sind verführerisch inszeniert und mit feinen Anekdoten gespickt. Sie sind in drei einzelne Schritte aufgeteilt: mise en place, réalisation und présentation, hinzu kommt eine Zutatenliste.

Le Grand Bordel ist ein großartiges Buch, das aus den phantastischen Rezepten der Brasserie La Provence, den opulenten Fotos von Gerd George, die Elke Rüss wunderbar in Szene gesetzt hat, den wahnwitzigen Geschichten, die Judith Stoletzky formuliert hat und durch das ansprechende Layout von Ursula Ritter ein gelungenes Ganzes schafft, in dessen Durcheinander sich der Leser großartig amüsiert - oder sich im besten Fall zu feinen Gerichten inspirieren lässt. Chapeau!

Das Buch ist im Becker Joest Volk Verlag erschienen und kostet 37,- €.