Unterwegs in Marrakesch

Scharfe Suppen, Spieße, Schnecken, opulente Schmorgerichte und überall der Duft von Minztee - »e&t«-Autorin Claudia Muir ließ sich von der Königsstadt betören und wollte gar nicht mehr weg.

Hotel "Riyad El Cadi"

Marrakesch Hotel Riyad El Cadi Garten im Hof gross
Der Garten im Hof des "Riyad El Cadi". Kerzen beleuchten den Weg zum Salon

Kerzen flackern in Laternen, Wasser plätschert in einer Schale. Still ist es hier. Kaum zu glauben, dass das Hotel Riyad El Cadi nur einen Steinwurf von der chaotischen Medina entfernt liegt. Seine Inhaberin, die Deutsche Julia Bartels, lebt hier seit ihrer Jugend und kennt sich mit arabischer Architektur aus. So lerne ich, dass Riyad Garten bedeutet und der Innenhof mit seinen vier Bäumen und einem Wasserbecken das Paradies symbolisiert. Abends essen wir auch dort. Hasan, der Koch, fragt, was er uns zubereiten soll. Wir überlassen ihm die Entscheidung. Er serviert Kaninchen-Tandschia. Eine Spezialität aus Marrakesch, die in einem wie eine Amphore geformten Tontopf stundenlang in Glut gart. 1001 Gewürze schmecke ich heraus. Ob Hasan mir seinen Gewürzhändler vorstellt? Natürlich wird er das. Aber erst sinke ich in mein himmlisches Bett.

Fine Dining: "Al fassia" & "Al Aïn"

Marrakesch Restaurant Al Fassia gross
Im "Al Fassia"kochen und servieren nur Frauen unter der Leitung von Saida Chab (2. v. r.)

Frauensache: Vor gut 25 Jahren fing alles an. Die Mutter der drei Schwestern Mariam, Myra und Saida Chab entschied, dass in ihrem Restaurant Al Fassia nur Frauen kochen lernen sollten. Und zwar die weitaus raffinierteren Gerichte aus der Stadt Fez. Wenn die Einheimischen heute von der über Nacht geschmorten Lammschulter schwärmen und die Vorspeisen in den Himmel loben, dann wissen die Schwestern, dass das Erbe der Mutter in guten Händen ist.

Königlich: Ein Palast könnte nicht opulenter ausgestattet sein, die Poularden-Tajine nicht raffinierter gewürzt. Im Al Aïn darf es ruhig ein bisschen mehr sein. Deshalb servieren freundliche Damen zu jedem Gang kleine Extras: getrocknete Früchte, eingelegtes Gemüse, Nüsse, Arganöl...

Street Food: "Djemaa el Fna"

Marrakesch Markt Djemaa el Fna gross
Abendstimmung auf dem "Djemaa el Fna"

Kein Schauspiel kann mehr fesseln: Wenn die Sonne untergeht, füllt sich der Djemaa el Fna am Rande der Medina. Zu den vielen Einheimischen stoßen dann Dutzende von mobilen Restaurants. In den Töpfen brodeln die scharfe Suppe Hariira und Schnecken. Vom Rost, wo Kebaab (Fleischspieße), Kebda (Spießchen mit Innereien) und Merguez brutzeln, steigen gewaltige Rauchwolken auf. In den Auslagen sieht man Fisch, Couscous, gekochte Hammelköpfe, Schüsseln mit Oliven, Tomaten, Salat. Junge Männer in weißen Kitteln rufen: "Komm zu mir! Komm zu mir!" Ich setze mich und esse gebackenen Fisch, tunke Brot in Tomatenpüree. Dann, einen Stand weiter, kleine Schnecken. Zum Schluss gibt es einen Gewürztee. Alles köstlich? Ja! Und unglaublich spannend.

Grüne Pausen

Marrakesch Cafe Bousafsaf gross
Tee eingießen ist Männersache - auch im "Café Bousafsaf"

Unter Bäumen: Das Café Bousafsaf im Jardin Majorelle, einem Gartenkunstwerk des Malers Jacques Majorelle, ist perfekt für ein spätes Frühstück. Der Tee mit Minze und viel Zucker ist obligatorisch, die dicken marokkanischen Pfannkuchen sind die beste Wahl.

Unter Arkaden: Im Café Le Jardin sitzt man zwischen Orangenbäumen und Stechpalmen und nascht Orangensalat mit Zimt. Das Café ist auch bei den Einheimischen beliebt, die hier gern die mediterran inspirierten Salate auf der Dachterrasse genießen.

Ausflug in die Berge

Marrakesch Gebirgskette Hoher Atlas
Die Gebirgskette "Hoher Atlas"

Wie ein Bollwerk steht die Gebirgskette kurz vor der Königsstadt. Wer sie überwinden will, nimmt am besten einen Guide mit. Mustapha Arbia kennt sich in den Bergen aus, auch über die marokkanische Kultur und Marrakesch weiß er einiges zu erzählen. Wir machen Rast im Kasbah du Toubkal in Imlil. Dorfbewohner kochen hier traditionell nach Berberrezepten. Gerade sind die Quitten reif und so kommen sie mit in die Tajine mit butterzartem Rindfleisch. Wir essen auf der Terrasse mit Blick auf den Berg Toubkal - unbezahlbar!