Rohkost: die verschiedenen Formen

Rohkost ist nicht gleich Rohkost. Es gibt viele unterschiedliche Schulen, die teilweise vegan sind, teilweise aber auch Fleisch erlauben. Wir sagen Ihnen, was die unterschiedlichen Formen gemeinsam haben und stellen Ihnen einige der wichtigsten Modelle vor.

Rohkost-Ernährung: was ist das eigentlich?

Rohkost
Rohkost-Ernährung: oft mehr als nur Gemüsesticks

Der Begriff Rohkost bezeichnet nicht nur eine ganz bestimmte Ernährungsform, sondern fasst unterschiedliche Richtungen zusammen. Rohkost-Ernährung kann ausschließlich aus rohem, reifem Obst und Gemüse bestehen, sie kann aber auch kalt geräuchertes, getrocknetes oder rohes Fleisch und Fisch mit einbeziehen. Auch kalt geschleuderter Honig, kalt gepresstes Öl oder Trockenfrüchte sind in vielen Fällen erlaubt.

Bei allen Unterschieden, haben die verschiedenen Formen der Rohkost-Ernährung aber eines gemeinsam: Sie verzichten auf erhitzte und verarbeitete Lebensmittel. Fertigprodukte, die Konservierungs- oder Farbstoffe enthalten, sind nicht Teil dieser Ernährungsform. Überwiegend ist die Ernährung mit Rohkost vegetarisch oder vegan.

Urkost

Rohkost
In der Urkost kommt auch Moos auf den Speiseplan

Eine äußerst umstrittene Form der Rohkost-Ernährung ist die so genannte Urkost nach Franz Konz. Es handelt sich um eine vegane Ernährungsform, bei der alle Lebensmittel roh und in ihrem natürlichen Zustand verzehrt werden. Ausnahmen zur veganen Regel sind Insekten, die sich in oder auf den Lebensmitteln befinden. Ameisen oder Würmer werden also mit verzehrt. Das liegt auch daran, dass nichts von dem, was gegessen wird, zuvor abgewaschen wird.

Eine Besonderheit der Urkost ist der Fokus auf Wildpflanzen, wie Brennnesseln und Moos. Daneben besteht sie aus Früchten, Beeren und Blättern. Franz Konz empfiehlt, sich zu ernähren wie die Affen. Seine Lehre geht davon aus, dass die Natur für jedes Lebewesen ausreichend Ernährung zur Verfügung stellt und das der Mensch im Zuge des Überflusses verlernt hat, diese Lebensmittel für sich zu nutzen.

Was Kritiker an der Urkost bemängeln ist vor allem die Tatsache, dass sie als Allheilmittel propagiert wird. Ihr Gründer und seine Anhänger gehen davon aus, dass diese Ernährungsform nicht nur vor Krankheiten schützen, sondern sie auch heilen kann - selbst Krebs soll mit der Urkost zu bekämpfen sein. Auf seiner Homepage rät Franz Konz dazu, von der Schulmedizin Abstand zu nehmen und sich selbst mit der Urkost zu therapieren.

Ebenfalls bedenklich ist Konz’ Ansicht einzustufen, dass trinken gänzlich überflüssig sei. Laut Konz reiche es völlig aus, saftige Früchte zu sich zu nehmen. Auch diese These stößt bei vielen Ernährungswissenschaftlern und Medizinern auf Unverständnis und Protest.

Sonnenkost

Rohkost
Sonnengereifte Früchte sind die Basis der Sonnenkost

Bei der Sonnenkost nach Herlmut Wandmaker besteht die Ernährung in erster Linie aus Obst. Hinzu kommen Gemüse und wenige Nüsse (maximal eine Hand voll pro Woche).

Diese Form der Ernährung begründet Wandmaker mit verschiedenen Aspekten. Zum einen sei der Mensch für ihn von Natur aus ein Früchteesser, daher solle die Ernährungszusammensetzung zu 75 Prozent aus rohem, sonnengereiften Obst bestehen. Ein weiterer Grund sei, dass nur beim Verzehr von Obst der Mensch nicht in die Natur eingreifen müsse. Während Gemüse nach der Ernte neu gepflanzt und für Fleisch getötet werde, bliebe beispielsweise ein Apfelbaum nach der Ernte einfach stehen und trage wieder Früchte.

Anders als bei der Urkost wird bei der Sonnenkost auch getrunken. Empfohlen wird destilliertes Wasser. Tees oder andere warme Getränke allerdings kommen auch hier nicht zum Einsatz, denn das Kochen von Lebensmitteln ist nicht Teil der Sonnenkost. Wandmaker zufolge entstünden beim Garen Stoffe, die dem Körper schaden und zu Krankheiten führen können.

Neben den Ernährungsrichtlinien umfasst die Sonnenkost auch noch andere Empfehlungen. So soll man sich beispielsweise viel an der frischen Luft und in der Sonne aufhalten und sich ausreichend bewegen.

Instinctotherapie

Rohkost
Vor allem exotische Früchte werden in der Instincotherapie empfohlen

Die Instinctotherapie - Essen nach dem eigenen Instinkt - stammt vom Schweizer Guy-Claude Burger. Diese Form der Rohkost-Ernährung erlaubt etwas mehr als die Ur- oder die Sonnenkost. Auch tierische Produkte sind durchaus Teil des Konzepts.

Im Grunde besteht die Instinctotherapie aus vier Säulen, bzw. Gruppen - Obst, Zucker, Proteine und essbare Wildpflanzen und Gemüse.

Auf Frühstück wird bewusst verzichtet, um eine Art Fastenzustand im Körper zu erzeugen. Das soll dem Körper helfen, schädliche Stoffe auszuscheiden. Stattdessen trinkt man viel Wasser und lutscht Cassia, eine Schotenfrucht mit lakritzähnlichem Geschmack. Laut Gründer und Anhängern soll das Hungergefühl am Morgen schon nach wenigen Tagen verschwunden sein.

Die erste Mahlzeit wird also zur Mittagszeit eingenommen. Sie besteht aus Früchten. Bevorzugt werden hierbei eher Exoten, da sie zum einen als nicht so stark überzüchtet gelten und zum anderen größeren Genuss bedeuten sollen. Genuss ist ein wichtiges Stichwort bei der Instinctotherapie. Alle Mahlzeiten sollen befriedigen und sowohl physisch als auch sensorisch sättigen.

Wie bei allen Mahlzeiten in dieser Ernährungsform, werden für das Mittagessen alle zur Verfügung stehenden Früchte zunächst sensorisch beurteilt. Es wird an ihnen gerochen. Man soll dann die Frucht auswählen, deren Geruchs am meisten anspricht. Davon kann man so viel essen, bis sich eine natürliche Sättigung einstellt. Laut Burger kann der Mensch nur eine bestimmte Menge roher Lebensmittel verzehren, bis der Körper es als unangenehm empfindet. Er spricht von der instinktiven Sperre. Sie kann sich auch durch ein brennendes Gefühl auf der Zunge oder ein leichtes Völlegefühl bemerkbar machen. Wenn man sich nach der ersten Fruchtsorte nicht befriedigt fühlt, kann man den Vorgang wiederholen. Mehr als drei Früchte pro Mahlzeit wird bei der Instinctotherapie aber nicht empfohlen. Die Mengen sind, wie bei der ersten Sorte, auch bei den folgenden unbegrenzt.

Ist man durch das Obst noch nicht ausreichend gesättigt, kann man in der Instinctotherapie als nächstes auf die Gruppe der Zucker zurückgreifen. Sie umfasst alle getrockneten Früchte, bei deren Herstellung eine Temperatur von vierzig Grad Celsius nicht überschritten wurde, sowie naturbelassene Honigsorten. Wieder wird mit der Nase entschieden und vom gewählten Produkt gegessen, so viel man möchte, beziehungsweise so viel der Körper kann.

Bis zum Abendessen wird nichts gegessen, sondern nur reichlich Wasser getrunken. Die zweite und letzte Mahlzeit wird aus der Protein-Gruppe ausgewählt. Dazu zählen bei der Instinctotherapie Ölfrüchte und Samen, Algen, Pilze, Oliven, Johannisbrot und andere Hülsenfrüchte, Avocados, Pollen, Kokosnüsse, Keimgetreide, Durian, Eier, Fisch und Meeresfrüchte und auch Fleisch und Innereien sowie Insekten. Wichtig ist es, dass alle Zutaten unbehandelt und roh sind. Sie dürfen also auch nicht geröstet oder gewürzt sein. Nach dem gleichen Prinzip wie bei der ersten Mahlzeit werden die Lebensmittel ausgewählt und verzehrt, bis der Körper das Signal gibt aufzuhören.

Evers-Diät

Rohkost
Bei der Evers-Diät dürfen gesunde Menschen auch rohen Fisch essen

Die Evers-Diät wurde in den 1940er Jahren von dem deutschen Arzt Dr. Joseph Evers entwickelt. Er stellte damals die Vermutung auf, dass viele Zivilisationskrankheiten auf die industriell immer höhere Verarbeitung unserer Lebensmittel zurückzuführen seien und entwickelte darauf hin eine spezielle Kost, die unter anderem bei der Behandlung von Multipler Sklerose helfen sollte.

Für Stoffwechselerkrankte sieht die Evers-Diät eine Ernährung aus 90 Prozent pflanzlicher Rohkost vor. Für gesunde Menschen sind weitere Produkte auf dem Speiseplan gestattet. Dazu gehören Milchprodukte, Fleisch, Fisch, roher Schinken und Eier. Auch bei der Evers-Diät werden alle Lebensmittel roh und unbehandelt gegessen und sollten daher sehr frisch sein.

Primal Diet

Rohkost
Mit der Primal Diet ist Rohmilch erlaubt

Die Primal Diet ist eine weitere nicht vegetarische Rohkostform. Das Modell von Aajonus Vonderplanitz baut auf eine stark reduzierte Zufuhr von Kohlenhydraten. Erlaubt sind hingegen die vermehrte Aufnahme von Fleisch, Fett, Rohmilch und Rohmilchprodukten und frisch gepressten Gemüsesäften.

Fit for Life

Rohkost
Bei Fit for Life steht vor allem Obst auf dem Speiseplan

Die Fit for Life- Ernährung ist eine Art abgewandelte Trennkost auf Rohkost-Basis. Die Erfinder Harvey und Marilyn Diamond geben vor, dass 70 Prozent der menschlichen Ernährung aus Obst, Gemüse und Salaten bestehen sollen, vor allem aber solle der Mensch ihrer Meinung nach wasserreiche Früchte zu sich nehmen. Die restlichen 30 Prozent werden aus Brot, Getreide und Fleisch zusammengesetzt. Es gibt bei dieser Rohkostform also kein generelles Fleischverbot. Dennoch wird hier empfohlen, es möglichst selten zu verzehren.

Ein weiteres Grundprinzip des Fit for Life-Modells ist, dass Kohlenhydrate und Eiweiße nicht gleichzeitig aufgenommen werden sollten, da der menschliche Organismus, so die These, sie dann nicht verdauen könne.

Doch das Prinzip geht noch weiter und unterscheidet in drei Körperphasen. Die erste Phase von vier bis zwölf Uhr wird als Ausscheidungsphase bezeichnet. Ab zwölf Uhr solle die Nahrungsaufnahme stattfinden. Als erste Mahlzeit sind Früchte und frische Säfte auf nüchternen Magen vorgesehen. Darauf folgen Salate und Gemüse, alles andere wird erst für die Abendstunden empfohlen. Ab zwanzig Uhr setze die Verwertungsphase ein. Sie dauere bis vier Uhr des Folgetages an.

An Getränken erlaubt die Fit for Life-Ernährung ausschließlich destilliertes Wasser und frische Säfte.