Rohkost: Vor- und Nachteile

Das Thema Rohkost ist ein umstrittenes. Während einige auf die natürliche Ernährung mit unverarbeiteten Lebensmitteln schwören, halten andere die sehr restriktive Rohkost für gesundheitsgefährdend. Die wichtigsten Argumente beider Seiten haben wir für Sie zusammengefasst.

Pro Rohkost: zurück zur Natur

Nährstoffversorgung

Es gibt einige Aspekte, die für Rohkost sprechen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, fünf mal am Tag frisches Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Die meisten Menschen liegen in Deutschland mit ihrem tatsächlichen Verzehr weit unter dieser Empfehlung. Daher ist ein Mehr an Rohkost insgesamt sicher wünschenswert. Die günstigen Auswirkungen sind nicht von der Hand zu weisen. Früchte enthalten in ihrem Grundzustand einen besonders hohen Anteil an Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und anderen wichtigen Inhaltsstoffen, die teilweise bei Garvorgängen verloren gehen können. Ebenso ist Rohkost reich an Ballaststoffen, die wichtig für unsere Darmgesundheit sind.

Ebenfalls auf dem Pro-Rohkost-Konto zu verbuchen ist das Argument, dass stark verarbeitete Lebensmittel oft einen niedrigeren ernährungsphysiologischen Wert haben. Denken wir zum Beispiel an Chips oder andere Knabbereien, die oft vor Zusatz- und Konservierungsstoffen strotzen. Wenn jemand sagt, diese Art von Lebensmittel seien für die menschliche Ernährung wertlos, so kann man ihm wohl kaum widersprechen.

Wasser als Grundgetränk

Was die Getränkeauswahl angeht, ist die Rohkosternährung sehr begrenzt. In den meisten Fällen wird destilliertes Wasser empfohlen. Die DGE hingegen rät davon ab, ausschließlich das gereinigte Wasser zu trinken. Sie empfiehlt Trink-, Mineral-, Quell- und Tafelwasser. Im Vergleich mit dem, was Normalköstler aber sonst häufig zu sich nehmen - zum Beispiel koffein- und zuckerhaltige Erfrischungsgetränke - ist Wasser in jeder Form eine gute Alternative.

Contra Rohkost: Experten befürchten Nährstoffmangel

Neben allen Argumenten, die für eine Rohkost-Ernährung sprechen, werden im Zusammenhang mit diesem Thema auch immer wieder Gegenstimmen laut. Längst wissen wir, dass der menschliche Organismus neben Vitaminen und Pflanzenstoffen auch Eiweiß und Fett braucht. Viele Ernährungswissenschaftler sprechen vor allem bei veganen Rohkostformen, wie beispielsweise der Urkost, von der Gefahr eines Nährstoffmangels. Ebenfalls in der Urkost-Lehre wird trinken als überflüssig bezeichnet. Die Empfehlung der DGE lautet, mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser täglich am Tag zu sich nehmen. Zwar kann ein Teil des Bedarfs tatsächlich über wasserhaltige Lebensmittel gedeckt werden, jedoch ist gerade für Kinder oder ältere Menschen, aber natürlich auch für alle anderen, ein Verzicht auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr äußerst bedenklich.

Gerade auch bei Schwangeren und Stillenden wird von vielen Experten von einer reinen Rohkost-Ernährung abgeraten. Frauen in diesem Zustand einen erhöhten Bedarf an verschiedenen Nährstoffen, der dann unter Umständen nicht gedeckt werden könne.

Besonders bedenklich ist aber die Wirkung, die von einigen Schöpfern einer Rohkost-Schule propagiert wird. Immer wieder hört man von Einzelfällen, die davon berichten, ernsthafte Krankheiten allein durch eine Ernährungsumstellung auf Rohkost geheilt haben zu wollen. Für Außenstehende lassen sich diese Fälle schwer beurteilen. Kritisch wird es aber dann, wenn dazu geraten wird, der Schulmedizin den Rücken zu kehren und auf Medikamente oder beispielsweise auf Bestrahlungen zu verzichten und für eine Gesundung nur auf Rohkost zu setzen.

Der Mittelweg

Wie so oft liegt auch bei der Rohkost die Wahrheit vermutlich irgendwo in der Mitte. Denn letztendlich muss jeder für sich eine Ernährung finden, mit der er fit und gesund ist und bleibt.

Dass Obst und Gemüse gesund für den Menschen ist, ist unumstritten. Dass möglichst naturbelassene Lebensmittel in den meisten Fällen gesünder sind, kann man wohl ebenfalls als Konsens bezeichnen. Selbst über die Tatsache, dass eine gesunde Ernährung den Gesundheitszustand verbessern und ernährungsmitbedingten Krankheiten vorbeugen kann, ist man sich einig.

Fakt ist aber auch, dass einige Menschen Rohkost nicht besonders gut vertragen und dann unter Darmbeschwerden und Durchfällen leiden können. Wenn Sie einen möglichst hohen Nährstoffgehalt bewahren, aber nicht alles roh zu sich nehmen möchten, ist die beste Methode, Gemüse zu dünsten. Diese Garmethode unter Einsatz von wenig Wasser bewahrt im Gegensatz zu herkömmlichen Kochen die meisten Inhaltsstoffe. Zusätzlich können Sie das Garwasser auch noch für Saucen oder Suppen weiter verwenden, so ist der Nährstoffverlust noch geringer.

Bei den Getränken muss es nicht immer nur Wasser sein. Die meisten Menschen wünschen sich auch mehr Abwechslung bei den Getränken. Die DGE empfiehlt, das Angebot mit Kräutertees und Fruchtschorlen im Verhältnis 1:3 zu ergänzen. Von süßem Nektar und zuckerhaltigen Getränken raten auch die Experten ab.

Insgesamt kann man sagen, dass Rohkost sicherlich nicht für jedermann geeignet ist. Für andere wiederum kann sie die einzig wahre Ernährungsform sein. Die richtige Ernährung hat auch immer etwas mit der eigenen Überzeugung und dem persönlichen Wohlbefinden zu tun, mit individuellen Vorlieben und Verträglichkeiten. Man sollte also versuchen, sich ausreichend zu bewegen und sich ausgewogen zu ernähren. Ein gewisser Rohkost-Anteil spielt dabei ganz sicher eine Rolle - für manche eben mehr und für andere weniger.