Abflüsse reinigen – so funktioniert’s

Ausgüsse lassen schmutzige Abwässer dezent verschwinden. Unangenehm wird’s, wenn das Wasser nur noch langsam oder gar nicht mehr abfließt. Mit entsprechenden Hilfsmitteln und ein paar Tipps vom Experten lässt sich das Problem meist beseitigen oder von vornherein vermeiden.
Abfluss, Abfluss verstopf

Wer vom Outdoor-Urlaub zurückkommt weiß es wieder zu schätzen: Am Waschbecken, in der Dusche, in der Wanne, in der Toilette und im Spülbecken verschwindet unaufgeregt und lautlos das Abwasser. Einfach Stöpsel ziehen oder abdrücken – und weg ist es.

Doch manchmal nimmt der Ausguss das Wasser nicht mehr auf. Der Abfluss ist verstopft. Was dann zu tun ist und was man vorbeugend tun kann, erklärt uns Gas- und Wasserinstallateurmeister Udo Saphörster, Experte für Entwässerungstechnik.

Plötzlich fällt auf, dass das Wasser in Wasch- oder Spülbecken nur noch langsam abfließt. Was kann man tun?

Udo Saphörster: Man sollte auf jeden Fall handeln. Als Erstes zum Lösen von Seifenresten und Fetten in das Becken so viel heißes Wasser einlassen wie reinpasst und dann abfließen lassen. Wenn sich dabei nichts löst, unters Becken einen großen Eimer stellen und den U-förmigen Geruchsverschluss, den Siphon, mit der Hand oder vorsichtig mit der Rohrzange aufschrauben, behutsam herausziehen, entleeren, reinigen und wieder anschrauben.

Was, wenn es die Wanne oder die Dusche erwischt hat?

Saphörster: Als Erstes, soweit möglich, die Haare aus dem Ausguss entfernen. Wenn das nicht hilft, auch hier viel heißes Wasser abfließen lassen. Auf keinen Fall den Ausguss aufschrauben, weil dadurch der Geruchsverschluss herunterfallen kann. Wenn diese Maßnahmen nicht helfen, hilft meist der Gummipömpel oder ein Saug-Druck-Reiniger.

Und wenn die Toilette verstopft ist?

Saphörster: Auch hier empfehle ich, mit einem Gummipömpel oder einem Saug-Druck-Reiniger Bewegung in die Verstopfung zu bringen. Wenn beim Pumpen in der Toilette nebenan in der Dusche oder Wanne Wasser hoch kommt oder sich umgekehrt beim Pömpeln in Dusche oder Wanne in der Toilette Wasser hochdrückt, ist die Verstopfung meist so weit weg vom Ausguss, dass man nur noch eine Rohrreinigungsspirale in die Abflussleitung schieben kann. Diese kann man zum Beispiel im Baumarkt kaufen. Ganz wichtig bei der Anwendung: Die Kurbel gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Im Handel gibt es auch chemische Rohrreiniger. Was ist davon zu halten?

Saphörster: Meist werden Granulate mit Natriumhydroxid angeboten. Diese würde ich bei komplett verstopften Abflüssen jedoch auf keinen Fall anwenden; denn damit riskieren Sie, dass das Granulat im Abfluss steinhart verbackt. Die Reiniger können helfen, wenn der Abfluss leicht verstopft ist und das Wasser schlecht abläuft. Allerdings sind sie sehr gefährlich. Sie sollten immer nach Verpackungshinweisen vorgehen und bei der Anwendung sind Gummihandschuhe, Schutzkleidung und Schutzbrille Pflicht. In die Toilette gehört generell kein solches Granulat, da die Lauge die Keramikglasur stark angreift, sodass sich die Toilette dann nur noch schwer reinigen lässt. Flüssige und gelförmige Rohrreiniger verbacken zwar nicht, enthalten aber oft noch Natriumhypochlorit. Dies kann mit anderen Reinigern schnell zu ungewollten Reaktionen führen. Die flüssigen Reiniger haben sich bei mir bislang nicht als wirksamer erwiesen und sind genauso gefährlich. Flüssige Bio-Rohrreiniger sind weniger gefährlich, aber auch weniger wirksam. Sie arbeiten meist mit dem Enzym Natriumthioglykolat.

Gibt es stattdessen Hausmittel, die weniger gefährlich sind?

Saphörster: Wenn der Abfluss noch nicht vollständig verstopft ist, dann können Sie erst warmes Wasser in den Abfluss fließen lassen, dann etwa eine Tasse Soda (100 bis 200 ml) in den Ausguss geben und ein bis zwei Liter heißes Wasser hinterher gießen. Das Ganze fünf bis zehn Minuten einwirken lassen und mit viel heißem Wasser nachspülen. In der Toilette hilft Soda jedoch nicht.

Wann muss doch der Installateur oder der Rohrreiniger kommen?

Saphörster: Wenn die beschriebenen Maßnahmen nicht helfen. Dann kann es auch hier sein, dass die Verstopfung zu weit weg vom Ausguss sitzt oder die
Abflussleitung zu stark vor allem mit Fetten „zugewachsen“ ist.

Was kann man vorbeugend tun?

Saphörster: Möglichst alle Ausgüsse mit Auffangsieben versehen. Keine Hygieneartikel in die Toilette geben, auch kein feuchtes Toilettenpapier, da sich dieses im Gegensatz zu gewöhnlichem Toilettenpapier im Wasser nicht auflöst und sich an Kanten und Bögen in den Abflussleitungen festsetzt. Keine Fett- und Speisereste über Abflüsse entsorgen, weil Fette im kalten Wasser verklumpen und so den Abfluss zusetzen. Zudem ist es sinnvoll, etwa alle zwei Wochen Spüle und Waschbecken mit heißem Wasser zu füllen, ein paar Tropfen Spülmittel zuzugeben und abfließen zu lassen. Bei Toiletten rate ich, nicht so oft die Spartaste zu nutzen, vor allem dann nicht, wenn viel Toilettenpapier zum Einsatz kommt. Generell gilt: Wer im Haushalt viel Wasser benutzt und die genannten Tipps berücksichtigt, wird weniger Last mit seinen Abflüssen haben.

Wunderwerkzeug Gummipömpel: Wie man ihn optimal einsetzt

Er kostet nicht viel und ist in den meisten Haushalten vorhanden, der Gummipömpel, auch unter der Bezeichnung „Haushaltssaugglocke“ bekannt. Es handelt sich um einen kurzen, kräftigen Holzstiel mit einer großen Kappe aus rotem Gummi am Ende. „Optimal eingesetzt lassen sich viele Rohrverstopfungen mit dem Gummipömpel lösen“, versichert Gas- und Wasserinstallateurmeister Udo Saphörster. Dazu füllt er Becken und Wanne zu einem Drittel mit warmem Wasser, hält mit einem feuchten
Lappen den Überlauf zu und drückt den Pömpel auf dem Ausguss langsam nach unten, um ihn dann mit Schwung zurückzuziehen und so in der Leitung einen Unterdruck zu erzeugen. Das wiederholt er mehrmals, manchmal auch einige Minuten lang, und bekommt damit meist Bewegung in die Verstopfung. Bei Toiletten erhöht er die Wirkung, indem er am Gummipömpel erst die Gummikappe nach außen stülpt, sodass eine noch oben offene Halbkugel entsteht, die beim Einsatz in der Toilette am Rand besonders gut abdichtet. Der sogenannte Saug-Druck-Reiniger mit seinem Pumpmechanismus (ca. 60 bis 90 Euro) arbeitet nach dem gleichen Prinzip, ist nur noch wirksamer. Auch hier ist es wichtig, mit Unterdruck zu arbeiten und vor allem anzusaugen, auch damit sich keine Rohrverbindungen lösen.