Lang lebe Leder!

Sofa und Sessel aus Leder werden mit der Zeit immer schöner, wenn man sie gut behandelt. Wir stellen die wichtigsten Lederarten vor und geben Tipps zur richtigen Pflege.

Leder ist ein langlebiges Naturprodukt. „An die Vielseitigkeit von Leder reicht bis heute kein anderes Material heran. Es weist positive Eigenschaften auf, die sich auf technischem Weg kaum ‚nachbauen‘ lassen“, so Dr. Bernd Glassl, Bereichsleiter Haushaltspflege im Industrieverband Körperpflege und Waschmittel e. V. (IKW).
Leder ist elastisch und atmungsaktiv, kann Körperfeuchtigkeit aufnehmen, ohne nass zu wirken. Es ist reißfest und verformbar zugleich – kurz: wie geschaffen für strapazierfähige Polstermöbel.

Lederarten

Leder pflegen

Leder braucht gute Pflege

Heute sind über 200 verschiedene Lederarten bekannt. Man unterteilt sie in die zwei großen Gruppen Glattleder und Rauleder. „Welche Eigenschaften ein Leder hat, entscheidet eine Vielzahl von Faktoren, unter anderem die Tierart, von der die Haut stammt, und die Gerb- und Färbetechniken“, erklärt Dr. Glassl. Generell gilt: Je schwächer behaart das Tier, desto stabiler das Leder. So sind Leder von Rind, Kalb, Schwein oder Pferd robuster und Leder von Ziege oder Schaf empfindlicher. Lederpolster bestehen überwiegend aus Rindsleder. Zwischen fünf und sieben Häute werden pro Möbel verarbeitet. Die Tierhäute werden in der Gerberei nach dem ersten Reinigungsvorgang gespalten: in den Narbenspalt (Oberseite) und den Fleischspalt (Unterseite).

Bezüglich der Gerbung unterscheidet man zwischen pflanzlicher und mineralischer Gerbung. Manchmal werden beide Gerbarten auch kombiniert. Beide bewirken, dass die Eiweißfasern in der tierischen Haut in feste, fäulnisstabile Lederfasern umgewandelt werden. Die mineralische Gerbung erfolgt zumeist mit Chrom-III-Salzen.
Sie dauert wenige Tage, der pflanzliche Lohgerbprozess rund 20 bis 30 Monate. Bei ihm wirken die Tannine, die in den verwendeten Baumrinden sitzen, zum Beispiel von Eichen und Fichten. Rau- oder Glattleder werden direkt im Anschluss an die Gerbung mit löslichen Farbstoffen gefärbt. Alternativ dazu können Glattleder im getrockneten Zustand gegebenenfalls mit mehreren Farbaufträgen beschichtet werden. Beide Färbetechniken werden auch oft kombiniert. Der letzte Auftrag („Finish“) bestimmt, wie das Leder aussieht und wie es sich anfühlt.

Glattleder

Unter die Gruppe der Glattleder fallen gedeckte, ungedeckte, gewachste, gefettete sowie lack- und folienbeschichtete Leder. Gedeckte Leder sind oberflächenpigmentiert, mit einer oder mehreren wasserabweisenden Farb- und Schutzschichten auf der Oberfläche. Sie sind pflegeleicht, müssen aber regelmäßig gepflegt werden, um die Schutzschicht elastisch zu halten. Sonderformen von gedeckten Ledern sind zusätzlich gewachst oder gefettet. „Sie werden nach der Gerbung gleich mit einer Wachs-Fett-Emulsion behandelt oder zunächst getrocknet und dann damit besprüht“, sagt der Experte. Leicht pigmentierte Glattleder haben nur eine sehr dünne Farb- oder Schutzschicht. Diese Pigmentierung verdeckt die Oberflächenstruktur nicht, sondern schützt sie leicht. Naturbelassene Glattleder oder ungedeckte Leder sind offenporig, unbeschichtet und deshalb empfindlicher als gedeckte Lederarten. Es gibt sie naturfarben oder gefärbt. Ungedeckte gefärbte Leder sind vom Farbstoff vollkommen durchdrungen und nicht nur oberflächlich gefärbt.

Rauleder

Rauleder sind geschliffene und offenporige Glattleder mit samtiger Oberfläche. „Man unterscheidet zwischen Veloursleder, das früher als Wildleder bezeichnet wurde, und Nubukleder“, so Dr. Glassl. Veloursleder erhält seine gleichmäßige, faserige Oberfläche durch Schleifen der Fleischseite des Leders. Bei Nubukleder wird durch das Anschleifen der Haarseite künstlich Faserigkeit erzeugt: Es hat kürzere Fasern als Veloursleder und benötigt mehr Pflege, um es schön zu erhalten.

Kunstleder – Reinigung und Pflege

Kunstleder besteht aus einem textilen Trägermaterial, etwa Baumwolle oder Mischgewebe, dessen Oberfläche mit Polyurethan (PU), Polyvinylchlorid (PVC) oder Ähnlichem beschichtet wird. Es besitzt eine lederähnliche Struktur. Bei sogenanntem „PU-Leder“ handelt es sich um durchgefärbtes Rinds-Spaltleder mit wasserabweisender, glänzender Polyurethanbeschichtung. Im Gegensatz zu echtem Leder darf Kunstleder nicht mit öl- oder fetthaltigen Produkten gepflegt werden, da sie die Oberfläche angreifen könnten. Für die regelmäßige Reinigung reibt man die Möbel mit einem nebelfeuchten Mikrofasertuch ab. Fettigen Schmutz sollte man mit Spezialprodukten entfernen, damit die Kunststoffoberfläche nicht durch ungeeignete Mittel angegriffen wird.

Echtes Leder – Reinigung und Pflege

Bei echten Ledermöbeln werden die richtige Reinigung und Pflege von der Lederart vorgegeben. Glattleder mit einem feuchten Tuch, Rauleder mit speziellen Raulederbürsten oder -gummis reinigen. Bei hartnäckigen Verschmutzungen sollten auf das Leder abgestimmte Spezialprodukte verwendet werden. Nach der Reinigung wird das Möbelleder wieder mit Pflegeprodukten behandelt, die auf die Lederart abgestimmt sind. So bleiben Aussehen und Natürlichkeit erhalten. Glattleder erhalten damit eine Rückfettung und Feuchtigkeit sowie eine Imprägnierung. Rauleder werden nach der Reinigung wieder aufgebürstet und anschließend imprägniert. Damit wird einer Wiederanschmutzung vorgebeugt.

Schön geschmeidig

„Ledermöbel aus Glattleder behandelt man ein- bis zweimal im Jahr mit speziellen Schaumprodukten, die leichten und angetrockneten Schmutz lösen“, rät Dr. Glassl. Emulsionscremes und Lotionen sorgen nach einer großflächigen Reinigung dafür, dass das Leder geschmeidig bleibt. Stehen die Möbel in der Nähe einer Heizung oder sind sie direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, empfiehlt es sich, diese Behandlung häufiger durchzuführen. Stark beanspruchte Rauledermöbel sollte man gelegentlich mit einer großflächigen Kreppbürste aufrauen, vor allen Dingen die Sitzflächen.