Richtig putzen: Welches Mittel hilft wofür?

Schöner wohnen kann jeder, allerdings muss dazu auch hier und da mal geschrubbt und gewienert werden. Welches Mittel hilft wofür?
Scheuerpulver auf Fliesen

Einst lautete die Erfolgsformel für einen sauberen Küchenboden: Sand, Seife, Soda!

Das nützliche Trio war – lange vor den heutigen Reinigern – die Antwort auf viele Flecken und Verunreinigungen. Die Bestandteile hatten verschiedene Aufgaben: Sand für das „Abrasieren“ des groben Schmutzes, Seifenflocken und Soda dienten als Fettlöser. Diese drei Zutaten wurden – zumeist noch lose – beim Krämerladen um die Ecke gekauft, und dann in heute herrlich nostalgisch aussehende Behälter gefüllt. Die modernen, fein dosierten und genau abgestimmten Fertigprodukte gab es damals noch nicht. Da waren Erfahrung und Feingefühl erforderlich.

Eine erste Arbeitserleichterung gab es, als 1920 die Firma Henkel das fertig gemischte Scheuerpulver unter dem Namen „ATA“ auf den Markt brachte. Es enthielt lediglich die beiden Bestandteile Sand und Soda. Die Hausfrauen von damals konnten damit schmutzige Waschbecken, abgelaufene Fußböden, angebrannte Töpfe und Herdplatten gründlich reinigen. Gescheuert und geschrubbt wurde so noch bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts hinein.

Der Sand, der zur Reinigung von Holz- und Steinfußböden verwendet wurde, war ein sehr feiner Flusssand, der in einigen Teilen Deutschlands ober- oder unterirdisch abgebaut wurde. Heute wird dieser Sand jedoch nicht mehr für Haushaltszwecke angeboten. Mit dem aufkommenden Wohlstand und den „Wirtschaftswunderjahren“ veränderten sich die Wohnungseinrichtungen. Und auch das Material der Fußböden und Oberflächen von Tischen und Schränken wandelte sich.

Ließen sich einst Terrazzo, grobe Dielen und gezimmerte Hölzer mit Scheuersand sehr gut reinigen, so verzeihen die empfindlichen Möbel von heute eine solche Behandlung nicht. Dennoch sind Scheuermittel zum Putzen aus dem Haushalt nicht wegzudenken.

Einsatzort Küche und Bad

Scheuermittel eignen sich jedoch nur für Oberflächen, bei denen ein geringer Abrieb nicht ins Gewicht fällt, wie bei Fußböden aus Stein, Edelstahltöpfen oder Metall-Spülbecken. Als Faustregel gilt, dass sich die meisten Holzflächen, lackierte Flächen, Acrylglas, Beschichtungen in Pfannen oder Töpfen und empfindliche Kunststoffe nicht eignen, um sie mit Scheuermitteln jeder Art zu reinigen.

Das gilt auch für die Oberflächen von Sanitärporzellan, PVC-Böden, Plexiglasscheiben und Fliesen. Diese können bei Verwendung von groben Scheuermitteln an der Oberfläche aufrauen. Die Folgen sind eine optisch veränderte, weil (leicht) zerkratzte Oberfläche und der Nachteil, dass nun der Schmutz mitunter schneller aufgenommen wird und eher in der Oberfläche verbleibt. Es ist daher ratsam, auch die Herstellerangaben zu Küchenarbeitsflächen und Sanitäranlagen zu beachten. Oder testen Sie das Mittel vorab vorsichtig an einer unbedenklichen Stelle.

Achtung!

Scheuerpulver: Augenkontakt vermeiden, nicht einatmen. Kommt es doch zu einem Augenkontakt, dann sofort mit viel Wasser ausspülen und zum Arzt gehen. Alle Produkte außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Nicht geeignet für Leder, Linoleum, behandelte Holzflächen oder Aluminium, lackierte Flächen, Kunststoff und Acrylglas. Scheuermilch sollte vor Gebrauch kurz geschüttelt werden.

Milch und Pulver

Bei der Verwendung von Scheuerprodukten muss zusätzlich noch kräftig von Hand geschrubbt werden. Das „Wisch-und-Weg-Prinzip“ funktioniert leider nicht. Zur milderen Reinigung bietet sich flüssige Scheuermilch an. Sie enthält oft sehr fein gemahlenes Marmormehl oder Kreide, dazu Seife, Säuren, Konservierungsmittel und Duftstoffe. Die Milch sollte unverdünnt auf die schmutzigen Flächen gegeben und mit einem nur leicht feuchten Tuch oder Schwamm ein- und anschließend abgerieben werden. Dann mit klarem Wasser abspülen und trocknen.

Das klassische Scheuerpulver ist ein rustikales Reinigungsmittel für grobe Verunreinigungen. Es enthält Scheuerpartikel wie Marmormehl oder Bimsstein, zudem kann auch Soda enthalten sein. Das Pulver löst sehr gut fest anhaftende Verkrustungen und den besonders hartnäckigen Schmutz. Zur Reinigung wird das Pulver direkt auf die schmutzigen Flächen gestreut und mit einem gut angefeuchteten Tuch oder Schwamm abgerieben. Eventuell muss dieser Vorgang mehrfach wiederholt werden. Zum Schluss gut mit klarem Wasser abspülen und trocken wischen.

Der Wiener Kalk stammt tatsächlich nicht aus Wien. Es ist vielmehr das Tun, das dem Mittel seinen Namen gab - das „Wienern“. So wurde früher das gründliche Polieren genannt. Wiener Kalk ist ein Gemisch aus 25 % Kaolinit und 75 % gemahlenem Quarz. Besonders dieser hat eine stark abreibende Wirkung. Auf empfindlichen Flächen kann er aber Kratzer verursachen. Je nach Einsatzbereich ist es sinnvoll, das Produkt an einer unauffälligen Stelle zu testen. Für die entfettende Wirkung kann noch ein wenig Spülmittel dazugegeben werden. Die Reinigung erfolgt mit einem feuchten, weichen Tuch, auf das der Wiener Kalk gestreut wird. Nun das zu reinigende Teil gut wienern. Anschließend mit Wasser nachspülen. Besonders, wenn weitere Mittel zugegeben worden sind. Zum Schluss Nachpolieren und fertig.

Was wirkt denn hier?

Die Wirkung von allen Scheuerprodukten besteht hauptsächlich im mechanischen Abrieb des anhaftenden Schmutzes. So enthalten sie zur Entfaltung ihrer Wirkung überwiegend Gesteinsmehle, die für die abscheuernde (abrasive) und polierende Wirkung garantieren. Zusätzlich wird die Oberfläche der Schmutzkruste aufgeraut, die Feuchtigkeit kann besser an den Dreck heran und ihn aufweichen. Die durchschnittliche Korngröße des jeweils verwendeten Poliermittels darf die Größe von 0,05 mm nicht überschreiten, da ansonsten die zu reinigende Oberfläche komplett zerkratzt.

Auch die Härte der verwendeten Poliermittel ist entscheidend. Gut geeignet sind Bims, Kalziumkarbonat, Kaolinit, Speckstein oder Marmormehl. Quarzhaltige Reiniger sind aufgrund der hohen Härte von Quarz nur vorsichtig zu verwenden. Gekennzeichnet sind die genauen Bestandteile auf der Verpackung meist nicht. Vielfach ist nur die Bezeichnung Calciumcarbonate zu finden. Mit einem Anteil von über 95 % bilden sie die Basis eines Reinigers, dazu kommen Tenside, Hilfs- und Gerüststoffe sowie Soda oder Säuren. Tenside sind vor allem dann sinnvoll, wenn fetthaltige Verschmutzungen im Spiel sind. Einige Mittel enthalten Bleichmittel wie Peroxid oder Hypochlorid. Duftstoffe sind mitunter auch zugesetzt, häufig in Richtung „Zitrus“.

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