Natürlich Holz!

Möbel aus Massivholz oder mit Echtholzfurnier haben eine besondere Ausstrahlung. Sie wollen aber auch gut gepflegt sein – und das geht manchmal ganz einfach.
Holz richtig pflegen

Warm, authentisch, wertvoll – das sind nur einige Assoziationen, die Holzmöbel wecken. Holz gehört zu den ältesten Einrichtungsmaterialien und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Im Gegenteil: Holzmöbel sind trotz anhaltend steigender Preise im Trend. Neben heimischen Laub- und Nadelhölzern werden zunehmend Holzarten aus Übersee zu Massiv- oder Furniermöbeln verarbeitet.

Für Massivmöbel werden einzelne Bretter oder Kanthölzer aneinander geleimt. Auch dieses zuvor gelagerte und getrocknete Holz „atmet“: Es nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie wieder ab. Deshalb werden bei Massivholzmöbeln die einzelnen Bretter gegenläufig aneinander geleimt, damit sich ihre Bewegungen ausgleichen und die Oberfläche gerade bleibt. Diese Art der Verarbeitung zeigt sich am unterbrochenen Maserungsverlauf, einem untrüglichen Merkmal für Massivmöbel.

Möbel mit Echtholzfurnier haben Oberflächen aus ganzen Holzblättern, die auf eine Trägerschicht aus Spanplatten oder MDF-Platten (Mitteldichte Faserplatte) geleimt werden. Wegen der geringeren Dicke des Furniers und der festen Verleimung mit dem Untergrund kann das Holz nicht arbeiten. Die Furnierblätter können deshalb so aufgelegt werden, dass eine durchgehende Maserung entsteht.

Oberflächlich betrachtet

Holzmöbel können theoretisch unbehandelt bleiben, allerdings sind sie dann besonders anfällig gegen Schmutz, Licht und Beschädigungen. Deshalb werden viele Möbel mattiert, poliert, gewachst, gebeizt, lackiert oder mit Folie beklebt, um ihre Oberflächen zu schützen. Das gilt sowohl für Vollholz- als auch Echtholzfurniermöbel.

Wer Wert darauf legt, dass die Holzmaserung besonders gut zur Geltung kommt, kann zwischen Ölen, Hartwachsölen und Wachs wählen. Auch Klarlacke, die auf dem Holz eine geschlossene Schicht bilden, lassen die Maserung hervortreten. Sie werden werksseitig in unterschiedlicher Dicke aufgesprüht oder gewalzt. Seltener ist das Schleiflackverfahren, bei dem durch wiederholtes Auftragen und immer feineres Schleifen Oberflächen mit einem feinen, seidenartigen Glanz entstehen. Farbige Lacke überdecken die Farbe und Maserung des Holzes. Samtig matte Oberflächen erzielt man mit Lacken, die Silikate enthalten, deren poröse Struktur Licht schluckt. Matte Lacke waren lange Zeit empfindlicher als hochglänzende. Einige Neuentwicklungen auf dem Markt sind jedoch im Vergleich wesentlich strapazierfähiger geworden.

Gut behandeln

Bei Holzmöbeln unterscheidet man zwischen der laufenden Reinigung und der gründlichen Möbelpflege oder Möbelkur in größeren Abständen. Im Alltag genügt fast immer ein Staubwischen mit einem weichen, nicht fusselnden Tuch. Im Zweifel lieber zu Baumwolle als zu Mikrofaser greifen, da die Kunstfasern leicht kratzend wirken können. Lackierte Holzmöbel vertragen es auch, nebelfeucht abgewischt zu werden. So wird Staub besser gebunden als mit trockenen Tüchern. Allerdings sollten matte Lacke und grobporige Möbel danach abgetrocknet werden, damit keine Feuchtigkeit stehen bleibt. Lackoberflächen brauchen keine nährenden Reinigungs- oder Pflegeprodukte mit Wachsen oder Silikonölen. Öle würden die Lackschicht anlösen, aufweichen und schlimmstenfalls durchdringen. Wachse und Polituren bilden auf Lacken klebrige Schichten, die wie Schmutzfänger wirken. Dasselbe gilt für imprägnierte Staubtücher und staubbindende Sprays. Hochglänzende Lackoberflächen kann man mit nebelfeuchten Baumwolltüchern oder Fensterledern reinigen.

Leichte Verschmutzungen können, je nach Vorbehandlung des Holzes, mit etwas warmem Wasser und Möbelseife oder mit Möbelpolitur beseitigt werden. Bei stärkeren Flecken und Gummiabrieb auf geölten Oberflächen gibt man etwas Holzpflegeöl auf ein Reinigungspad und behandelt die Fläche mit wenig Druck in Faserrichtung. Nach zehn Minuten mit einem trockenen Baumwolltuch den Überschuss aufnehmen und auspolieren.

Kleine Vorsichtsmaßnahmen helfen, Holzmöbel zu schützen: Verschüttetes Wasser, Fett- und andere Spritzer so schnell wie möglich auftupfen, damit sich erst gar keine Flecken und Verfärbungen bilden. Gläser und heißes oder kaltes Geschirr sowie Töpfe immer auf Untersetzer stellen. Eine Moltonauflage unter dem Tischtuch kann verschüttete Feuchtigkeit aufsaugen, ohne dass gleich die ganze schöne Tafel abgeräumt werden muss. Gerade bei runden oder ovalen Tischen bietet es sich an, den Stoff mit einem Gummiband wie bei einem Spannbettlaken zu versehen, sodass er sich gut an die Form der Tischplatte anpasst.

Ganz schön aufgemöbelt

Egal wie vorsichtig man ist, bekommen viele Holzmöbel mit der Zeit kleinere Kratzer oder Flecken. Das Gute ist, dass sie mit wenig Aufwand schnell wieder wie neu aussehen können. Welche Mittel zum Aufhübschen gewählt werden, richtet sich danach, wie das Holz vorbehandelt wurde und wie groß der Pflege- oder Aufbesserungsbedarf ist. Wie immer gilt es, die Anleitung des jeweiligen Pflegeproduktes zu befolgen. Möbelpolitur und Wachs schützen die Oberfläche. ‚Doppel hilft besser‘ gilt hier allerdings nicht: In Kombination bilden die Produkte eine klebrige Masse auf dem Möbel, deshalb immer nur eins von beiden verwenden. Wachs erhöht den Glanz und schützt vor kleinen Kratzern. Es haftet länger als Politur und muss daher seltener aufgetragen werden. Dafür erfordert das Auftragen der halb festen Masse mehr Kraft als Möbelpolitur. Diese basiert meist auf einem Petroliumdestillat und verdunstet relativ schnell. Nimmt man zu viel Politur, bildet sich ein matter und klebriger Film auf den Möbeln: Also lieber sparsam beginnen und im Zweifel ein zweites Mal wenig Politur auftragen. Auch Möbelsprays sollten aus demselben Grund sehr vorsichtig aufgetragen und anschließend poliert werden. Sie enthalten oft Silikonöl, das im Gegensatz zur Politur nicht verdunstet. Bei Möbeln, die mit anderen Materialien wie Kunststoff oder Geflecht kombiniert sind, empfiehlt es sich zudem, die Verträglichkeit zuerst an einer unauffälligen Stelle zu testen.

Öle wie etwa Leinöl sind leichter aufzutragen als Wachse und dringen tiefer ins Holz ein. Allerdings zieht überschüssiges Öl Schmutz magisch an, weshalb es nach zehn Minuten Einwirkzeit mit einem weichen, fusselfreien Tuch nachpoliert werden muss. Ölgetränkte Tücher sollten wegen Entzündungsgefahr auseinandergefaltet trocknen.

Für stark beanspruchte Oberflächen wie Küchenarbeitsplatten bietet sich eine Behandlung mit Hartwachsöl an. Die öligen Anteile ziehen tief in die Poren ein und imprägnieren das Holz von innen, während die wächsernen Anteile eine Schutzschicht auf der Oberfläche bilden. Das Holz kann weiter atmen, optisch wirkt es aber gegenüber Ölen ohne Wachsanteil nach der Behandlung etwas stumpfer: der Preis für den höheren Schutz vor Kratzern und Dellen.

Wie oft Holzmöbel oder -arbeitsplatten gepflegt werden müssen, hängt damit zusammen, wie intensiv sie genutzt werden. Ein grober Richtwert für empfohlene Pflegeintervalle ist: Esstische, Küchenarbeitsplatten und Nischenrückwand einmal im Jahr, Essstühle, Beimöbel und Küchenfronten alle drei Jahre sowie Wohnzimmerregale und -schränke, Beistelltische, Couchtische, Schlafzimmerschränke, Betten, Nachttische und Kinderzimmermöbel alle fünf Jahre. Zum Reinigen, Auffrischen, Pflegen und Schützen heller und dunkle Hölzer und von Lackoberflächen sind Möbel-Regeneratoren geeignet. Sie erneuern die Struktur des Holzes und bringen seinen ursprünglichen Naturton wieder hervor. Für kleine Lackabplatzer gibt es Retuschierstifte in verschiedenen Farbtönen.

Leichte Dellen und Flecken in Massivholz können mit einfachen Mitteln wie Schleifpapier und Bügeleisen selbst ausgebessert werden. Wie das geht, beschreiben wir ausführlich in Einfach Hausgemacht 3/2014 ab Seite 76.

Lieber nicht

Vorsicht gilt bei seifenhaltigen Reinigungs-, Putz- oder Spülmitteln. Sie können das Holz austrocknen und zu matten Stellen und Rissen führen. Auch fettlösende Haushaltsreiniger und Dampfreiniger sind tabu für Holzmöbel.

Immer wieder liest man von Hausmitteln wie zum Beispiel Sonnenmilch als Ersatz für Holzpolitur oder Bier zur Pflege von Eichenmöbeln. Haushaltsexperten raten von ihrem Einsatz ab, um Schäden an wertvollen oder liebgewonnenen Holzmöbeln zu vermeiden.

Tipps und Tricks für Holzmöbel

Bitte nicht kratzen
Holzmöbel, die nicht täglich benutzt werden, einmal in der Woche mit einem trockenen Staubtuch abwischen. Bei lackierten Möbeln kann es auch nebelfeucht sein. Baumwolle ist besser geeignet als Mikrofaser, denn die kann winzige Kratzer hinterlassen.

Für die Schönheit
Holz braucht ein- bis zweimal im Jahr eine gründliche Möbelkur. Bei lackierten Vollholzmöbeln genügt eine Möbelpolitur, für lasierte oder naturbelassene Holzmöbel darf es eine Behandlung mit Ölen, Hartwachsölen oder Wachsen sein. Besser keine Speiseöle verwenden, da sie nicht aushärten und ranzig werden können.

Flecken einfach wegföhnen
Die heiße Tee- oder Kaffeetasse abgestellt und schon ist es passiert: ein heller Fleck auf dem Holz. Bei frischen Feuchtigkeits ecken kann kräftiges Föhnen Abhilfe schaffen, weiß Bernd Kügler, Diplom-Restaurator und Leiter des Göring Instituts in München, einer Fachakademie für Restauratoren: „Am besten gelingt das bei gewachsten Holzoberflächen, da die Wachse einen niedrigen Schmelzpunkt haben. Bei modernen Lacken sieht das eher schlecht aus.“

Keine Staunässe
Stark genutzte Holzmöbel wie Esstische und Küchenarbeitsplatten müssen auch feucht gereinigt werden. Hier heißt es: Den Lappen sehr gut auswringen und anschließend mit einem zweiten, trockenen Baumwolltuch trockenwischen.

Licht und Hitze vermeiden
Neben trockener Luft sind intensive Sonneneinstrahlung und Hitze eine Belastung für Holzmöbel. Darum sollten sie nie direkt vor Heizungen oder Öfen stehen. Bei Essgruppen am Fenster kann man die Stühle in Abständen umstellen und den Tisch drehen, damit die Oberflächen der einzelnen Möbel nicht oder wenigstens gleichmäßig ausbleichen.

Gutes Klima
Auch getrocknet und zu Möbeln getischlert arbeitet Holz weiter: Es atmet, nimmt Feuchtigkeit auf, dehnt sich aus und schrumpft. Oft ist die Luft in beheizten Wohnräumen so trocken, dass Holzmöbel stumpf, grau und rissig werden. Fürs eigene Wohl und das der Möbel daher auf eine Luftfeuchtigkeit von 40–60 Prozent achten.

nach oben