Vegetarische Ernährung


Bio-Boom, Klimaschutz, Veggieday oder Meatless Monday: Immer mehr Menschen verzichten bewusst teilweise oder ganz auf Fleisch und steigen auf eine vegetarische Ernährung um. Neben ethischen Fragen zur Massentierhaltung rücken auch die gesundheitlichen und umweltrelevanten Auswirkungen des Fleischkonsums immer mehr in den Fokus.

Vegetarismus: ein neuer Trend?

Essen ist mehr als nur reine Nahrungsaufnahme: Die Auswahl unserer Lebensmittel ist immer auch Ausdruck unseres Lebensgefühls und unserer Weltanschauung. Die positiven gesundheitlichen Aspekte einer fleischlosen Ernährung sind dabei genauso entscheidend wie die Auswirkungen einer nicht artgerechten Massentierhaltung, die schlechte Klimabilanz von Fleisch oder die gravierende Überfischung der Meere. Informationen über diese Aspekte des Fleischkonsums treten zusammen mit einschneidenden Lebensmittelskandalen immer mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit und ziehen ein verändertes Essverhalten nach sich. So scheint es wenigstens die Mehrheit der Leute zu sehen, die auf eine vegetarische Ernährung umsteigen. Laut Vegetarierbund Deutschland (Vebu) ernähren sich heute rund 8 Prozent der Deutschen vegetarisch, während die Nationale Verzehrstudie des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aktuell allerdings nur auf 1,6 Prozent kommt.

Flexitarier, Ovo-Lacto-Vegetarier oder Veganer

Frisches Gemüse
Frisches Gemüse
© ConstructionDealMkting

Die Popularität eines vegetarischen Lebensstils zieht jedenfalls immer größere Kreise: So findet im Februar erstmalig in Wiesbaden eine Messe zum Thema Vegetarismus statt, die VeggieWorld . Doch was heißt das überhaupt, vegetarisch leben? Ist jemand Vegetarier, der Fisch, aber kein Fleisch isst? Und bin ich, wenn ich auf Fleisch und Milchprodukte verzichte, bereits Veganer? Aus dem Rahmen der Vegetarier-Statisken fallen jedenfalls die sogenannten Flexitarier, die reduziert Fisch, Fleisch, Eier und Milchprodukte zu sich nehmen, größtenteils aber auf eine pflanzlich ausgewogene Ernährung Wert legen - aber eben nicht ausschließlich. Streng genommen nimmt ein Vegetarier keine Lebensmittel tierischen Ursprungs zu sich, also auch keine Gelatine, Schmalz, Lab und auch keinen Fisch. Tut er es, müsste er sich eigentlich Pescetarier nennen. Ein sogenannter Ovo-Lacto-Vegetarier nimmt auch Eier und Milchprodukte zu sich, ein Lacto-Vegetarier nur Milch und Co. und ein Ovo-Vegetarier isst auch Eier. Vegan lebt nur wer, wer nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch in anderen Bereichen auf tierische Produkte verzichtet: Kein Leder, keine Daunen, keine Wolle.

Veggie-Day und Meatless Monday

Internationale und regionale Projekte und Aktionen versuchen, dass Bewusstsein für den eigenen Fleischkonsum zu schärfen. Denn im Schnitt essen wir zu viel Fleisch: Mehr als 60 kg nimmt der durchschnittliche Bundesbürger im Jahr zu sich. Doch es geht auch mit weniger. Bestes Beispiel dafür ist die Stadt Bremen, die als erste deutsche Stadt den Veggie-Day eingeführt hat: Jeden Donnerstag verzichtet die Stadt in Kantinen, Großküchen, Kitas, Schulen und Restaurants komplett auf Fleisch. Aufs Klima hochgerechnet ergibt das für eine Stadt der Größe Bremens einen reduzierten CO2-Ausstoß von ca. 40 000 Autos pro Jahr.

International ist es der Meatless Monday, an dem auf Fleisch verzichtet werden soll. Einer seiner prominentesten Befürworter ist Ex-Beatle und eingeschworener Vegetarier Paul McCartney, der bereits vor dem Brüsseler EU-Parlament „Less meat – less heat“ forderte, um die Klimabilanz durch Fleischverzicht zu verbessern.

Klimabilanz und Wasserabdruck

Kuh auf Weide
Kuh auf Weide
© © aleks.k

Laut der Welternährungsorganisation (FAO) werden 18% der weltweiten Treibhausgasemissionen allein durch Viehzucht verursacht. Neben CO2 und Methangas, das die Rinder als Wiederkäuer durch ihre Verdauung abgeben, ist es der große Energieaufwand der Viehzucht, der umwelttechnisch ins Gewicht fällt: Für ein Kilo Rindfleisch braucht es 16 Kilo Getreide und bis zu 16.000 Liter Wasser, ein Kilo Äpfel benötigt gerade mal 50 Liter. Die Rodung der Regenwälder für Weideland, der Anbau von Monokulturen als Viehfutter, die zu Bodenerosionen führen sind nur weitere Aspekte der schlechten Energie- und Umweltbilanz des hohen Fleischkonsums. Biofleisch kann nicht unbedingt eine bessere Klimabilanz aufwiesen als konventionelles, ist aber durch seine artegerechtere Tierhaltung, das selbst produzierte Futter und den regionalen Aspekt in jedem Fall nachhaltiger. Unser Fleisch- und Eierverzehr ist unter anderem für den Hunger in der Welt mitverantwortlich. Da es in der Regel mehr einbringt, Getreide zu exportieren als die eigene Bevölkerung damit zu ernähren, werden in Entwicklungs- und Schwellenländern weiterhin Soja und Mais für den Export angebaut, während die eigene Bevölkerung leer ausgeht.

Laut einem aktuellen Bericht der FAO und UNO hat der Fischkonsum weltweit zugenommen - mit gravierenden Folgen für die weltweiten Fischbestände, die sich bis heute nicht von der jahrelangen Überfischung erholt haben. Bei Fisch sollten Verbraucher mindestens auf die MSC-Zertifizierung für nachhaltig gewonnnen Fisch achten. Der Einkaufsratgeber von WWF hilft bei der Auswahl.

Gesünder ohne Fleisch

Zuviel Fleisch ist ungesund, auch wenn es für den Menschen wichtige Nährstoffe und Vitamine, vor allem B-Vitamine, enthält. Fleisch enthält ungesättigte Fettstäuren, die mit Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten in Verbindung gebracht werden. Wer seinen Fleischkonsum bereits auf zwei Tage die Woche reduziert, tut einiges für seine Gesundheit - und dazu fürs Klima, die Umwelt und die Tiere.

Ein bewusster und reduzierter Verzehr von Fleisch ist also in vielerlei Hinsicht von Vorteil - und wie gut Vegetarisches schmecken kann, zeigen unsere tollen vegetarischen Rezepte.