Video: Was ist Naturwein? – Experten-Wissen


Was ist eigentlich Naturwein? »essen & trinken« Getränke-Experte Benedikt Ernst beantwortet interessante Fragen zum Thema Naturwein und erklärt, warum der Wein oft polarisiert.

Was ist Naturwein?

Der Begriff Naturwein ist eine eher schwammige Bezeichnung ohne einheitliche Definition. Nennt ein Winzer seinen Wein „Naturwein“ sollte zumindest der biologische Anbau des Weines gewährleistet sein. Das heißt, beim Anbau der Reben muss auf künstliche Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. Winzer von Naturweinen achten bei der Herstellung außerdem darauf, dass dem Wein kein oder zumindest sehr wenig Schwefel zugesetzt wird. Konventionelle Weine werden durch den Einsatz von Schwefel stabilisiert, aber auch in der Aromatik „geglättet“.
Ein weiteres Erkennungsmerkmal von Naturwein kann seine trübe Farbe sein. Winzer verzichten meist auf die Filtration der Weine, weswegen das Endprodukt in der Farbgebung nicht so klar wie konventioneller Weißwein ist. Bei der Gärung von Naturwein wird zudem oft keine Zuchthefe zugesetzt. Naturweinwinzer lassen ihren Wein also häufig mit natürlichen Hefen gären. Diese befinden sich auf den Häuten der Trauben oder in der Luft des Weinkellers. Wird die Gärung mit Hilfe dieser natürlichen Hefen in Gang gesetzt, spricht man von spontaner Vergärung.
Im Sprachgebrauch wird der sogenannte Orange Wine mittlerweile oft mit dem Begriff Naturwein gleichgesetzt. Beim Orange Wine wird der Saft weißer Trauben auf den Schalen vergoren – wie sonst nur bei Rotwein – mit dem Ziel, dass der Wein mehr Farbe und Gerbstoff enthält. Orange Wine ist meist etwas trüb und orange gefärbt. Da nicht jeder Naturwein nach dieser Methode hergestellt wird, sollte man die Begriffe Orange Wine und Naturwein nicht gleichsetzen.  
Was ist Naturwein?
Konventioneller Weißwein (links im Bild) und Naturwein – hier ein Orange Wine – unterscheiden sich häufig in der Farbe.
© essen & trinken

Wie schmeckt Naturwein?

Die Aromen in Naturwein unterscheiden sich ganz klar von denen, die im konventionellen Wein zu schmecken sind. So können diese sehr wild und facettenreich sein. Erdige oder beißende Noten sind keine Seltenheit. Naturweinliebhaber schätzen jedoch genau diese Aromen, die durchaus oft als etwas stinkig beschrieben werden.

Ist Naturwein gesünder?

Ob Naturwein gesünder ist als konventioneller Wein lässt sich nicht genau sagen. Verträgt man Schwefel nicht so gut, ist Naturwein womöglich die gesündere Alternative. Ähnlich wie bei Lebensmitteln in Bio-Qualität ist davon auszugehen, dass der Wein ohne Pestizide und andere synthetische Stoffe hergestellt wurde. Wem diese Eigenschaft auch bei Wein wichtig ist, der sollte wohl auf Naturwein zurückgreifen. Trotz allem: auch Naturwein enthält Alkohol und sollte daher nur in Maßen konsumiert werden.

Warum ist Naturwein oft teuer?

Für eine Flasche Naturwein muss man häufig etwas tiefer in die Tasche greifen. Das liegt daran, dass die Herstellung von Naturwein mehr Arbeit für weniger Ertrag fordert. Bei der Lese und der Verarbeitung müssen Winzer sehr genau arbeiten. Das Lesegut sollte gesund sein und schlechte Trauben müssen herausgeschnitten werden. Die Arbeit von Naturweinwinzern ist nicht auf Effizienz und Massenproduktion ausgelegt. Daher fallen die Preise am Ende oft höher aus.

Warum polarisieren Naturweine?

Naturweine polarisieren – was nicht zuletzt am besonderen Aroma dieser liegt. Daher scheiden sich die Meinungen was den höheren Preis sowie das Aroma der Weine betrifft. So ziehen Naturweine viele Liebhaber aber mindestens genauso viele Kritiker an. Wer gerne einmal einen Naturwein ausprobieren möchte, der kann einmal bei seinem Weinhändler des Vertrauens nachfragen. Immer mehr Weinhändler übernehmen Naturwein in deren Sortiment. Im Supermarkt trifft man Naturwein dagegen selten an. Am besten, Sie überzeugen sich selbst von den besonderen Tropfen!

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Marto – „Weiß“
Claus Preisinger – Puszta Libre!
Heiss-Malinga – Sauvignon blanc „auf der Maische“

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