Staatliches Tierwohl-Label

Das neue Label „Haltungsform“ informiert im Supermarkt darüber, wie Nutztiere gehalten worden sind. Doch es sollte um mehr gehen.
Schweine und das "Haltungsform" Siegel

Ein Großteil der Deutschen wünscht sich für Schweine eine artgerechte Aufzucht.

Das Label "Haltungsform" hilft nicht wirklich bei der Kaufentscheidung

Ob das Tier ein gutes Leben hatte, können wir dem Stück Fleisch, das im Geschäft ausliegt, nicht ansehen. Doch genau das interes­siert viele Deutsche: Im Ernährungsreport 2019 des Bundes­ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wünschten sich 86 Prozent der Befragten Informationen zur Tierhaltung, und 70 Prozent ist es sehr wichtig, dass Tiere artgerecht gehalten werden. Im April dieses Jahres führten mehrere Handelsketten eine einheitliche Kennzeichnung ein. „Haltungsform“ heißt es und unterscheidet vier Stufen, von Stufe 1 „Stallhaltung“ bis Stufe 4 „Premium“ mit Auslaufmöglichkeit im Freien. Damit wollen die Händler mehr Transparenz für den Verbraucher schaffen, doch das Label liefert nur wenige Informationen. Vor allem bei den Stufen 2 „Stallhaltung plus“ und 3 „Außenklima“ bleibt offen, was genau gemeint ist. Zwar liefert die Webseite haltungsform.de nähere Angaben zur Haltung des Tieres, doch beim Kauf im Supermarkt ist dies wenig hilfreich. Außerdem kritisieren Verbraucherschützer, dass es keine unabhängige Kontrollstelle gibt.

Dario Sarmadi im Interview zum Thema Tierwohl-Label

Dario Sarmadi

Dario Sarmadi
Pressesprecher „Foodwatch“

Seit April dieses Jahres gibt es von verschiedenen Handelsketten das Siegel „Haltungsform“. Es informiert den Verbraucher darüber, unter welchen Bedingungen Nutztiere gehalten worden sind. Wie ist Ihre Meinung darüber?

Das einzig Positive, das man dieser Kennzeichnung abgewinnen kann, ist, dass es ein einheitliches Label ist und nicht jede Handelskette ihr eigenes Süppchen kocht. Aber: Bei der Kennzeichnung geht es nur um formale Haltungsbedingungen, etwa Platz, Spielmöglichkeiten und Auslauf im Freien. Das garantiert aber nicht, und das sagt auch die Wissenschaft, dass es den Tieren wirklich besser geht.

Warum nicht?

Das Betriebsmanagement ist ausschlaggebend dafür, ob ein Tier gesund ist. Vor allem geht es darum, wie das Per­sonal geschult ist und ob der Halter ­genau weiß, wie er mit den Tieren um­gehen muss, damit sie gesund bleiben.

Welche Kriterien für ein Siegel wünscht sich „Foodwatch“?

Viel wichtiger als alle Siegel ist, dass die Tiergesundheit in jedem Betrieb erfasst und verbessert wird. Da ist der Staat in der Pflicht, damit den Tieren Schmerzen und Leiden – heute noch Normalität – erspart werden. Nur so können wir ­sicher sein, dass Fleisch von gesunden Tieren auf unseren Tellern landet.

Was würden Sie Verbrauchern raten, die Fleisch von Tieren aus tiergerechter Haltung kaufen möchten?

Bio-Siegel garantieren zumindest, dass die Tiere mehr Platz und Auslauf haben und auch das Futter umweltverträglich produziert wurde.

Mehr Infos zum Thema Tierwohl finden Sie unter foodwatch.de

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